Lebendig ist…

von Luigi Nono

 

Lebendig ist wer wach bleibt

sich den anderen schenkt

das Bessere hingibt

niemals rechnet.

 

Lebendig ist wer das Leben liebt

seine Begräbnisse seine Feste

wer Märchen und Mythen

auf den ödesten Bergen findet.

 

Lebendig ist wer das Licht erwartet

in den Tagen des schwarzen Sturms

wer die stilleren Lieder

ohne Geschrei und Schüsse wählt

sich zum Herbst hinwendet

und nicht aufhört zu lieben.

 

Lebendig sein

Vor acht Jahren

Vor acht Jahren wurde ich zum ersten Mal zu einem Vorstellungsgespräch für eine Stelle in Deutschland eingeladen. Zwei Tage später bekam ich eine positive Rückmeldung und verließ eine unbefristete Stelle in Mailand, um diese neue Herausforderung anzunehmen.
Es waren acht harte Jahre. Zwischen mir, meiner Familie und meiner Freunden lagen 600 km. Ich war plötzlich nicht mehr in dem alltäglichen Leben meiner Geliebten anwesend. Ich musste daher kreativ werden und neue Methoden nutzen, um den Kontakt zu halten. Gott sei Dank gab es schon Whatsapp und die Videocalls, danach kamen noch die Sprachnachrichten hinzu. Zudem wurde ich mit einer anderen Arbeitskultur konfrontiert und bin erwachsen geworden.
Es waren aber acht Jahre, in denen ich unter verschiedenen Aspekten aufblühte. Ich lebe in einer internationalen Beziehung und das kann echt lustig sein. Ich bin sehr interessanten Menschen begegenet, die mir ihre Freundschaft schenkten. Ich habe mein Deutsch verbessert und kann sogar Schwäbisch verstehen – übrigens danke Dominik und deiner Familie. Keine Sorge: wie bei Mailändisch und Neapolitanisch kann ich Schwäbisch nur verstehen aber nicht aktiv sprechen. Man ändert nicht seine eigene Natur, wenn man ins Ausland zieht.
Vor neun Jahre, als ich anfing mich nach Deutschland zu bewerben, folgte ich einem Traum. Heute erlebe ihn jeden Tag.
Ich musste auf etwas verzichten, das schon, aber das war es wert. Wenn man eine Vision hat, kann man sie verwirklichen, nur wenn man daran glaubt und aktiv wird. Wenn ich gefragt werde, warum ich nach Deutschland bin, sage ich immer: “Ich wollte nicht 40 werden und mich fragen, wie es gewesen wäre, wenn…”
Meine Message mit diesem Post ist: Versuche es immer. Nicht zu sehr über eine Idee nachdenken. Ansonsten läufst du Gefahr es zu bereuen, nicht die Chance ergriffen zu haben, deine jetzige Situation zu ändern und stolz drauf zu sein, weil du den Schritt gewagt hast.

Acht Jahre in acht Fotos

Mülle Grazie und mein Denkfehler

Mittwoch – Ich bin in der Nähe vom Feuersee in Stuttgart-West und spaziere, als ich an einer Kreuzung einen Mülleimer sehe. Ein drauf geklebter Pfeil zeigt zum Loch. Unter diesem Pfeil lese ich “Mülle Grazie” und direkt fängt mein Gehirn an, sich aufzuregen.

Ich denke: “Äh?! Wie meinen sie das? Soll das ein Witz sein, weil wir Italiener immer tendieren, am Ende jedes deutschen Wortes einen ‘-e‘ einzufügen. Wie diese Bekannte von mir, die mal zu ihrem Freund auf Italienisch in Karlsruhe sagte: “Amo, sto a Marktplatze!” (Liebling, ich bin am Marktplatze!). Oder beziehen sie sich jetzt auf die unzähligen Müllskandalen in Italien? Soll ich mich jetzt wirklich aufregen?!”

Ein bisschen Zeit vergeht und, als ich fast meine innerliche Aufregung vergessen hatte, fing ich an, zu verstehen…

“Ah, echt jetzt?! Das war ein Wortspiel! Mülle Grazie = mille grazie. Die Stadt Stuttgart wollte sich damit bei den Bürgern bedanken, die sich Mühe geben und ihren Müll in den Mülleimern entsorgen. Oh Mann, können sich die Deutschen das endlich nicht mal abgewöhnen: Niemand sagt in Italien mille grazie! Man sagt: Grazie mille!!!

Der öffentliche Mülleimer mit der Schrift Mülle Grazie

Kann mir jemand das bitte erklären?

Warum, wenn ich in Deutschland eine Pizza bestelle, muss ich 1 € Aufpreis zahlen, wenn ich sie gerne mit Mozzarella essen möchte?

Das Originalrezept ist doch mit Mozzarella und nicht mit Käse und überhaupt, was ist das für ein Käse? Emmentaler?

Ist das die Rache dafür, dass in Italien die Spätzle grün sind und wir sie ‚Spatzle’ nennen?

Deswegen sagen die Deutschen, wenn sie mehr als eine Pizza bestellen, dass sie z.B. ‚3 Pizzen’ oder ‚3 Pizzas’ hätten, obwohl die korrekte Pluralform ‚pizze‘ ist?

Zum Glück kann ich ja selber Pizza backen, diese ist sogar mit Gorgonzola!

Tonia Mastrobuoni beim Deutschlandfunk Kultur

Tonia Mastrobuoni ist Deutschlandkorrespondentin der italienischen Tageszeitung La Repubblica. Sie verfasst jeden Samstag einen Newsletter für Rep:, der Bertolt heißt und über die Ereignisse in Deutschland berichtet.

Ich mag ihren Schreibstil sehr sowie wie sie mit ihrer italienischen Sichtweise über das Leben in Deutschland berichtet. Heute hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, sie auf Deutsch zu hören. Am Freitag 16.10.2020 war sie Gast beim Deutschlandfunk Kultur und sprach über die verschärften Coronaregeln.

Ich fand es sehr spannend sie auf Deutsch sprechen zu hören, vor allem weil sie gar keinen italienischen Akzent dabei hatte und ich bin generell von solchen Menschen immer sehr fasziniert. Zudem empfand ich, was sie berichtet hat, als sehr interessant auch im Bezug auf die neusten Maßnahmen, die man in Italien ergriffen hat, um die zweite Welle der Pandemie einzudämmen. Sie hat einige Hintergründe erklärt, die mir nicht so bewusst waren, wie z.B warum in Kampanien jetzt die Schulen erneut geschlossen wurden. Der Beitrag dauert zirka eine Stunde aber es lohnt sich meiner Meinung nach, ihn zu hören: Wie finden wir das richtige Maß?

Tonia Mastrobuoni, Quelle: bundesregierung.de

Gleichgewicht

Ein Status,
ein bewusster Atemzug,
ein sicherer Hafen, an dem
man immer zurückkehren möchte.
Zwei zusammengestellte Wörter:
gleich und Gewicht.
Die Kunst im Leben besteht darin,
die Balance zu finden,
sie vielleicht kurz zu verlieren
aber nach einiger Zeit
dann wieder zu finden
oder neu zu entdecken.
Das Gleichgewicht ist
für jeden von uns
ein unentbehrlicher Schatz.

Dominica – Eine große Frucht auf einem kleinen Busch: Sie fällt nicht runter.

Fürsorglichkeit

Mir fällt es nicht leicht, Fürsorglichkeit auf Italienisch zu übersetzen aber das ist ein Wort, das ich besonders mag. Es beschreibt für mich eigentlich eine Haltung: ein Verhalten, das gepflegt werden sollte.

Fürsorglichkeit bedeutet dem anderen Interesse zu zeigen, genauer zuhören, vorhersehen was die andere Person benötigen könnte und gezielt Aufmerksamkeit schenken.

Da es ein Verhalten ist und es sich, meiner Meinung nach, so schön beschreiben lässt, ist es nicht so einfach Fürsorglichkeit mit einem einzigen entsprechenden italienischen Wort zu übersetzen.

Ich mag es, wenn ich dieses Verhalten bei anderen Leuten erkenne und versuche selbst das als Eigenschaft zu pflegen.  Weil es gibt nichts schöneres als Freude und Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn du was gibst, bekommst du viel mehr zurück als was du gegeben hast.

Durch eine fürsorgliche Haltung entsteht ein anderer Blickwinkel und dein Fokus ist nicht mehr auf dich gerichtet, was dich automatisch zu einer selbstlosen Person macht.

Friendly Reminder an sich selbst

Halte deine Gedanken positiv,
denn deine Gedanken werden deine Worte.

Halte deine Worte positiv,
denn deine Worte werden dein Verhalten.

Halte dein Verhalten positiv,
denn dein Verhalten wird zu deinen Gewohnheiten.

Halte deine Gewohnheiten positiv,
denn deine Gewohnheiten werden deine Werte.

Halte deine Werte positiv,
denn deine Werte werden dein Schicksal.

Aus einem chinesischen Sprichwort, etwas angepasst von Haenim Sunim

Zurück im hier und jetzt

Heute Abend bin ich nach der Arbeit aus dem Bus gestiegen und den kurzen Nachhauseweg gelaufen. Ich war voll in meinen Gedanken: Die Arbeit, die Suche nach der Motivation Sport zu machen und das etwas zu teure Angebot für unseren Ürlaub am Ende des Jahres. Vor der Haustüre wollte ich kurz noch einen Blick in den Briefkasten werfen und genau in diesem Moment ist was besonderes passiert.

Ich habe unseren Nachbar gesehen, der sich mit einer Person unterhalten hat, und neben ihm war ein Kind. Ich wollte den Nachbar bei seiner Unterhaltung nicht stören und ich hatte das Kind nicht wirklich wahrgenommen, beschäftigt wie ich war, meine Gedanken zu ordnen.

Laut sagte das Kind: “Hiiiiiiiiii!” und zurück war ich im hier und jetzt. 

Manchmal machen wir und zu viele Gedanken über To dos uns Prioritäten, die wir uns selbst setzen, und wir vergissen die Wichtigkeit “Hallo” zu sagen und ein Lächeln einem Kind zu schenken.