Tonia Mastrobuoni beim Deutschlandfunk Kultur

Tonia Mastrobuoni ist Deutschlandkorrespondentin der italienischen Tageszeitung La Repubblica. Sie verfasst jeden Samstag einen Newsletter für Rep:, der Bertolt heißt und über die Ereignisse in Deutschland berichtet.

Ich mag ihren Schreibstil sehr sowie wie sie mit ihrer italienischen Sichtweise über das Leben in Deutschland berichtet. Heute hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, sie auf Deutsch zu hören. Am Freitag 16.10.2020 war sie Gast beim Deutschlandfunk Kultur und sprach über die verschärften Coronaregeln.

Ich fand es sehr spannend sie auf Deutsch sprechen zu hören, vor allem weil sie gar keinen italienischen Akzent dabei hatte und ich bin generell von solchen Menschen immer sehr fasziniert. Zudem empfand ich, was sie berichtet hat, als sehr interessant auch im Bezug auf die neusten Maßnahmen, die man in Italien ergriffen hat, um die zweite Welle der Pandemie einzudämmen. Sie hat einige Hintergründe erklärt, die mir nicht so bewusst waren, wie z.B warum in Kampanien jetzt die Schulen erneut geschlossen wurden. Der Beitrag dauert zirka eine Stunde aber es lohnt sich meiner Meinung nach, ihn zu hören: Wie finden wir das richtige Maß?

Tonia Mastrobuoni, Quelle: bundesregierung.de

Mülle Grazie und mein Denkfehler

Mittwoch – Ich bin in der Nähe vom Feuersee in Stuttgart-West und spaziere, als ich an einer Kreuzung einen Mülleimer sehe. Ein drauf geklebter Pfeil zeigt zum Loch. Unter diesem Pfeil lese ich “Mülle Grazie” und direkt fängt mein Gehirn an, sich aufzuregen.

Ich denke: “Äh?! Wie meinen sie das? Soll das ein Witz sein, weil wir Italiener immer tendieren, am Ende jedes deutschen Wortes einen ‘-e‘ einzufügen. Wie diese Bekannte von mir, die mal zu ihrem Freund auf Italienisch in Karlsruhe sagte: “Amo, sto a Marktplatze!” (Liebling, ich bin am Marktplatze!). Oder beziehen sie sich jetzt auf die unzähligen Müllskandalen in Italien? Soll ich mich jetzt wirklich aufregen?!”

Ein bisschen Zeit vergeht und, als ich fast meine innerliche Aufregung vergessen hatte, fing ich an, zu verstehen…

“Ah, echt jetzt?! Das war ein Wortspiel! Mülle Grazie = mille grazie. Die Stadt Stuttgart wollte sich damit bei den Bürgern bedanken, die sich Mühe geben und ihren Müll in den Mülleimern entsorgen. Oh Mann, können sich die Deutschen das endlich nicht mal abgewöhnen: Niemand sagt in Italien mille grazie! Man sagt: Grazie mille!!!

Der öffentliche Mülleimer mit der Schrift Mülle Grazie

Gleichgewicht

Ein Status,
ein bewusster Atemzug,
ein sicherer Hafen, an dem
man immer zurückkehren möchte.
Zwei zusammengestellte Wörter:
gleich und Gewicht.
Die Kunst im Leben besteht darin,
die Balance zu finden,
sie vielleicht kurz zu verlieren
aber nach einiger Zeit
dann wieder zu finden
oder neu zu entdecken.
Das Gleichgewicht ist
für jeden von uns
ein unentbehrlicher Schatz.

Dominica – Eine große Frucht auf einem kleinen Busch: Sie fällt nicht runter.

Vor acht Jahren

Vor acht Jahren wurde ich zum ersten Mal zu einem Vorstellungsgespräch für eine Stelle in Deutschland eingeladen. Zwei Tage später bekam ich eine positive Rückmeldung und verließ eine unbefristete Stelle in Mailand, um diese neue Herausforderung anzunehmen.
Es waren acht harte Jahre. Zwischen mir, meiner Familie und meiner Freunden lagen 600 km. Ich war plötzlich nicht mehr in dem alltäglichen Leben meiner Geliebten anwesend. Ich musste daher kreativ werden und neue Methoden nutzen, um den Kontakt zu halten. Gott sei Dank gab es schon Whatsapp und die Videocalls, danach kamen noch die Sprachnachrichten hinzu. Zudem wurde ich mit einer anderen Arbeitskultur konfrontiert und bin erwachsen geworden.
Es waren aber acht Jahre, in denen ich unter verschiedenen Aspekten aufblühte. Ich lebe in einer internationalen Beziehung und das kann echt lustig sein. Ich bin sehr interessanten Menschen begegenet, die mir ihre Freundschaft schenkten. Ich habe mein Deutsch verbessert und kann sogar Schwäbisch verstehen – übrigens danke Dominik und deiner Familie. Keine Sorge: wie bei Mailändisch und Neapolitanisch kann ich Schwäbisch nur verstehen aber nicht aktiv sprechen. Man ändert nicht seine eigene Natur, wenn man ins Ausland zieht.
Vor neun Jahre, als ich anfing mich nach Deutschland zu bewerben, folgte ich einem Traum. Heute erlebe ihn jeden Tag.
Ich musste auf etwas verzichten, das schon, aber das war es wert. Wenn man eine Vision hat, kann man sie verwirklichen, nur wenn man daran glaubt und aktiv wird. Wenn ich gefragt werde, warum ich nach Deutschland bin, sage ich immer: “Ich wollte nicht 40 werden und mich fragen, wie es gewesen wäre, wenn…”
Meine Message mit diesem Post ist: Versuche es immer. Nicht zu sehr über eine Idee nachdenken. Ansonsten läufst du Gefahr es zu bereuen, nicht die Chance ergriffen zu haben, deine jetzige Situation zu ändern und stolz drauf zu sein, weil du den Schritt gewagt hast.

Acht Jahre in acht Fotos

Fürsorglichkeit

Mir fällt es nicht leicht, Fürsorglichkeit auf Italienisch zu übersetzen aber das ist ein Wort, das ich besonders mag. Es beschreibt für mich eigentlich eine Haltung: ein Verhalten, das gepflegt werden sollte.

Fürsorglichkeit bedeutet dem anderen Interesse zu zeigen, genauer zuhören, vorhersehen was die andere Person benötigen könnte und gezielt Aufmerksamkeit schenken.

Da es ein Verhalten ist und es sich, meiner Meinung nach, so schön beschreiben lässt, ist es nicht so einfach Fürsorglichkeit mit einem einzigen entsprechenden italienischen Wort zu übersetzen.

Ich mag es, wenn ich dieses Verhalten bei anderen Leuten erkenne und versuche selbst das als Eigenschaft zu pflegen.  Weil es gibt nichts schöneres als Freude und Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn du was gibst, bekommst du viel mehr zurück als was du gegeben hast.

Durch eine fürsorgliche Haltung entsteht ein anderer Blickwinkel und dein Fokus ist nicht mehr auf dich gerichtet, was dich automatisch zu einer selbstlosen Person macht.

Friendly Reminder an sich selbst

Halte deine Gedanken positiv,
denn deine Gedanken werden deine Worte.

Halte deine Worte positiv,
denn deine Worte werden dein Verhalten.

Halte dein Verhalten positiv,
denn dein Verhalten wird zu deinen Gewohnheiten.

Halte deine Gewohnheiten positiv,
denn deine Gewohnheiten werden deine Werte.

Halte deine Werte positiv,
denn deine Werte werden dein Schicksal.

Aus einem chinesischen Sprichwort, etwas angepasst von Haenim Sunim

Zurück im hier und jetzt

Heute Abend bin ich nach der Arbeit aus dem Bus gestiegen und den kurzen Nachhauseweg gelaufen. Ich war voll in meinen Gedanken: Die Arbeit, die Suche nach der Motivation Sport zu machen und das etwas zu teure Angebot für unseren Ürlaub am Ende des Jahres. Vor der Haustüre wollte ich kurz noch einen Blick in den Briefkasten werfen und genau in diesem Moment ist was besonderes passiert.

Ich habe unseren Nachbar gesehen, der sich mit einer Person unterhalten hat, und neben ihm war ein Kind. Ich wollte den Nachbar bei seiner Unterhaltung nicht stören und ich hatte das Kind nicht wirklich wahrgenommen, beschäftigt wie ich war, meine Gedanken zu ordnen.

Laut sagte das Kind: “Hiiiiiiiiii!” und zurück war ich im hier und jetzt. 

Manchmal machen wir und zu viele Gedanken über To dos uns Prioritäten, die wir uns selbst setzen, und wir vergissen die Wichtigkeit “Hallo” zu sagen und ein Lächeln einem Kind zu schenken.

Dankbarkeit

Katha hat mir das Buch Die Begegnung von Andy Andrews ausgeliehen. Ich bin ganz am Anfang und schon in dem ersten Kapitel habe ich einen Absatz gelesen, der mich zum nachdenken gebracht hat:

Das, worauf man sich im Leben konzentriert, nimmt zu. […] Wenn man sich auf die Dinge konzentriert, die man meint zu brauchen, […] dann wird das Bedürfnis danach wachsen. […] Wenn man sich auf seine Verluste konzentriert, dann wird man wahrscheinlich noch mehr verlieren. Eine dankbare Lebenshaltung dagegen führt zu Zufriedenheit und Überfluss im Leben.

Seit Anfang dieses Jahres habe ich mein Fokus auf Dankbarkeit gesetzt. Das hat mich in verschiedenen Hinsichten weitergebracht. Ich denke, dass sich mein Erscheinungsbild anderen gegenüber durch diese. positiven Gedanken verändert hat. Ich bin mehr aufmerksam geworden und fühle mich dankbar für die kleinen Dingen die meinen Alltag gestalten. Ich denke wirklich, dass es immer einen Grund gibt, dankbar zu sein. Wenn man sich auf Dankbarkeit konzentriert, werden die kleinen Monster, die Angst und Sorgen in uns verbreiten, eine andere und nicht so erschreckende Form annehmen.

Aber ich habe gar keine Zeit und ich weiss nicht wie ich anfangen soll, und wenn es mich nicht weiterbringt?“, das denkst du vielleicht gerade. Ich habe es so angefangen: Ich habe mir ein schönes, grünes Heft (grün ist in Italien die Farbe der Hoffnung) gekauft und  jeden Tag 5 Dinge aufgeschrieben, für die ich dankar war. Ich habe sofort gemerkt, wie einfach und schnell es für mich war: Ich hatte so viele Sachen zu schreiben, dass ich oft ein ganzes Blatt benutzt habe. Ich bin mir sicher bei dir wird es nicht anders sein. Probiere es aus und lass es mich wissen!

In gewisser Hinsicht

Was für andere tragisch aussehen mag, konnte für die betroffene Person zugleich eine große Gelegenheit sein zu wachsen und zu lernen.

Bronnie Ware