Eine wirksame Methode, wenn der Kopf von Gedanken überflutet ist, ist es, jemandem darüber zu erzählen. Das hilft, um die Gedanken zu sortieren.
Diese Praxis heißt auf Englisch „Talk it out“ und ermutigt dazu, sich seine Sorgen von der Seele zu reden, indem man sich mit jemandem austauscht. Allein der Akt, sich einer vertrauten Person zu öffnen und von dem zu erzählen, was einen beschäftigt, kann helfen, die Last zu teilen.
Wenn du Schwierigkeiten hast, deine Gefühle zu verarbeiten, versuche, sie mit einer dir nahestehenden Person zu teilen. Du wirst sehen: Indem du sie aussprichst, verlieren sie an Gewicht, und der Austausch mit dieser Person kann dich weiterbringen. Eine geteilte emotionale Last ist leichter.
Gefühle müssen nicht zwangsläufig ihrem Lauf in unserem Kopf folgen. Man kann sie wie den Lauf eines Flusses lenken. Wenn du sie teilst, werden sie leichter.
Von 2005 bis 2008 habe ich neben meinem Studium als Promoterin in Supermärkten gearbeitet, um meine Eltern nicht zusätzlich zu belasten, die mir bereits mein Studium finanzierten. Es war ein Wochenendjob, der sich gut mit meinem Vorlesungsplan vereinbaren ließ. Meine Schwester, die in einer Werbeagentur arbeitete und Marketingaktionen für Unternehmen koordinierte, hatte mir den Job vorgeschlagen.
Ich habe die Arbeit mit Würde und Freude erledigt, denn schon damals war ich überzeugt: Jede Tätigkeit, die man mit Leidenschaft ausübt, ist ein Grund zum Stolz. Am häufigsten war ich im Esselunga-Supermarkt in der Via Lorenteggio in Mailand im Einsatz – ich glaube, der gibt es heute noch.
Gestern Morgen war ich im E-Center in Weil der Stadt einkaufen, und eine ältere Dame bewarb dort Marmeladen. Sie hatte einen Stand mit Brotscheiben, auf denen verschiedene Marmeladensorten zum Probieren bereitlagen. Sie fragte mich, ob ich eine kosten wollte, und ich nahm ihr Angebot gerne an.
Diese Begegnung hat mich nicht nur an meine eigene Zeit als Promoterin erinnert, sondern auch zum Nachdenken angeregt – über einen Punkt, der oft übersehen wird, wenn über die wirtschaftliche Stärke Deutschlands gesprochen wird. Die Grundrente hier ist nämlich bei Weitem nicht mit der italienischen vergleichbar, sondern deutlich niedriger. Viele Senioren, die vielleicht ihr Leben lang keine hochqualifizierten Jobs hatten, müssen jeden Cent umdrehen. Oft sind sie gezwungen, trotz Rente weiterzuarbeiten. Doch das hat auch einen Vorteil: Durch die längere Berufstätigkeit bleiben ältere Menschen körperlich und geistig aktiv.
Daher gilt dieser Dame im Supermarkt mein ganzer Respekt und meine Sympathie.
„Der Museumsmörder“ von Earlene Flower war das erste Buch, das ich Dominik vorgelesen habe. Das erste einer langen Reihe. Wir hatten es an einem Samstagabend zufällig in einer dieser typischen Stuttgarter Kisten mit der Aufschrift „Zum Verschenken“ gefunden.
Es war 2016, und ich hatte gerade angefangen, in einem Job zu arbeiten, in dem ich nur noch Deutsch sprach – ohne Italienisch. Ich fühlte mich unsicher beim Lesen und Präsentieren auf Deutsch. Laut Vorlesen eines unbekannten Textes schien mir eine gute Übung.
So begann ein neues, gemeinsames Hobby für Dominik und mich, und wir waren sofort begeistert. Ich war seine Audible-Sprecherin mit italienischem Akzent, und er war mein mehr oder weniger aufmerksames Publikum. Manchmal schlief er beim Klang „meiner schönen Stimme“ ein, und ich musste das Kapitel noch einmal vorlesen.
Auch heute, zehn Jahre später, lesen wir noch gemeinsam Bücher. Unser Lieblingsgenre ist der Thriller. Den letzten Roman haben wir vergangenen Samstag fertig gelesen.
Als ich diese Woche Arthur C. Brooks, einen meiner Lieblings-Wissenschaftsvermittler, in einem Interview darüber sprechen hörte, wie gut gemeinsames Lesen für eine Beziehung ist, konnte ich nur zustimmen.
Es ist ein schönes Hobby, weil es das Gehirn durch die Kraft der Vorstellungskraft anregt und man über die Geschichte und die Entscheidungen des Autors diskutieren kann. Ich kann es nur empfehlen!
Vor einigen Jahren gab mir eine Kollegin ein sehr interessantes Feedback. Sie sagte mir, dass ich dazu neige, mich immer den Vorlieben anderer anzupassen, ohne mir oft genug die Frage zu stellen: „Was brauche ich eigentlich?“
Ich erkannte sofort einen Funken Wahrheit in ihren Worten und begann, mein Verhalten zu beobachten. Tatsächlich war es so: Damals passte ich mich zu oft an, statt auf das zu achten, was ich selbst brauchte. Ich begann daran zu arbeiten und meine Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen, indem ich versuchte, sie in den Vordergrund zu stellen.
Mit der Schwangerschaft und der Mutterschaft habe ich diese Fähigkeit noch weiter verfeinert. Mir wurde klar, dass ich, um gut zu funktionieren, auf meinen Körper hören muss und meine eigenen Bedürfnisse erfüllen sollte. Nur so kann ich der Elternteil sein, der – indem er sich selbst respektiert – im Familienleben ausgeglichen agieren kann.
Ich glaube, dass das Lernen, auf den eigenen Körper zu hören und entsprechend zu handeln, eines der Geheimnisse des Erwachsenenlebens ist – um es wie Gretchen Rubin zu sagen. Es ist entscheidend, sich daran zu erinnern, dass unsere erste Prioritàt und die einzige Person, über die wir Kontrolle haben, wir selbst sind.
Manchmal stellt uns das Leben vor unerwartete Situationen, die uns auf den ersten Blick unüberwindbar erscheinen. Wenn das passiert, ist es entscheidend, nicht gelähmt zu reagieren und somit nicht in einen Zustand der körperlichen und geistigen Starre zu verfallen.
Eine bewährte Strategie ist es, „den Elefanten in kleine Stücke zu schneiden“ und sich auf die kleinen Schritte zu konzentrieren, die wir sofort unternehmen können. So gelangen wir in einen Flow-Zustand, der uns das Gefühl gibt, die Zügel unseres Lebens fest in der Hand zu halten.
Hindernisse können eine Herausforderung darstellen und sind immer eine wichtige Prüfung. Indem wir uns damit konfrontieren, lernen wir uns selbst besser kennen und verstehen unseren Charakter.
Sich nicht gehen lassen, sondern motiviert und aktiv zu bleiben, ermöglicht es uns, auf unserem Weg weiterzugehen und jede Schwierigkeit zu überwinden.
Eine positive Grundhaltung kann ebenfalls vom Vorteil sein. Das Erkennen und Wertschätzen der schönen Momente, die unseren Alltag prägen, kann eine große Unterstützung darstellen. Dankbarkeit zu praktizieren, ist immer eine gute Idee – nicht nur in schwierigen Phasen.
Falls du gerade eine schwere Zeit durchmachst: Verzweifle nicht. Denk an alles, was du hast, und konzentriere dich auf den ersten kleinen Schritt, den du unternehmen kannst. Die nächsten werden von allein folgen, und die Verwirrung in deinem Geist wird vergehen.
Dein Weg kann voller schwieriger Kurven sein. Verliere nie deinen Schwerpunkt und konzentriere dich auf den nächsten kleinen Schritt.
Ich schreibe nicht oft über meine Rolle als Mutter, aber es gibt eine Sache, die ich hier teilen möchte, weil sie den Beginn unseres Lebens als Eltern erleichtert hat.
In Deutschland besteht – sofern verfügbar – die Möglichkeit, im Krankenhaus ein Familienzimmer für die Zeit nach der Geburt zu beantragen. Für uns war das möglich und wir waren sehr dankbar dafür. Ich musste mich nicht alleine um die Neugeborene kümmern und ihr Papa konnte von Anfang an eine starke Bindung zu ihr aufbauen. Meiner Meinung nach haben wir so leichter unsere Dynamik als Familie gefunden.
Es gab auch lustige Momente: Als frischgebackene Mama wurde ich von der Krankenhausküche wie eine Königin behandelt, um meinen Körper beim Stillen zu unterstützen – während Dominik nur das vegetarische Menü bekam und neidisch auf meinen Muffin auf dem Tablett blickte.
Für mich war dieses Familienzimmer ein echter Game-Changer. Wir konnten uns organisieren und ausruhen, wie wir wollten, ohne die Bedürfnisse anderer beachten zu müssen.
Natürlich ist das nicht immer möglich und es kostet einen Aufpreis – aber meiner Meinung nach lohnt es sich.
Ich schreibe darüber, weil ich es wichtig finde, zu zeigen, was hier gut funktioniert, um Verbesserungen anderswo anzuregen.
Diese Woche, als ich durch die Straßen der Innenstadt von Weil der Stadt spazierte, konnte ich eine interessante Szene beobachten. Zwei kleine Mädchen rannten und machten einen Hindernislauf. Irgendwann sprang das erste der beiden zwischen zwei Brettern, während das zweite blieb unsicher am Rand des ersten Bretts stehen. Sie ging zurück, versuchte erneut Anlauf zu nehmen, und blieb wieder stehen. Da machte die andere ihr Mut: „Spring einfach, denk nicht nach, Lara! Spring einfach! Du schaffst das!“. Doch als sie bemerkte, dass ihre Freundin weiterhin zögerte, schlug sie vor, die Runde von vorne zu beginnen. Als sie jedoch wieder zum ersten Brett ankamen, blieb Lara erneut stehen. Ich setzte meinen Spaziergang fort und weiß nicht, wie die Geschichte ausgegangen ist.
Diese scheinbar einfache Szene ließ mich darüber nachdenken, wie oft wir von unserem Verstand gefangen sind. Unser Kopf sieht Gefahren, die nicht immer real sind, und bremst uns. Doch nur, wenn wir diese Blockade überwinden, haben wir die Chance zu wachsen. Indem wir unseren Verstand herausfordern und ihm zeigen, dass wir die Grenzen, die er uns setzen will, überwinden können, gelingt es uns, uns zu befreien und zu einer mutigen Person zu werden.
Das ist eine Fähigkeit, die wir üben müssen und die uns hilft, das Vertrauen in uns selbst zu stärken.
Ich hoffe, Lara hat die Kraft gefunden, zu springen – indem sie für einen Moment nicht auf ihren Kopf hörte und sich dem Leben anvertraute.
„Brauchen Sie Hilfe?“, fragte mich gestern ein Junge, als er sah, wie ich mich bemühte, den Kinderwagen meiner Tochter durch die Eingangstür einer öffentlichen Toilette zu schieben. Kaum hatte er die Frage gestellt, schaffte ich es jedoch, die Schwelle zu überwinden und den Eingang zu erreichen.
Dieser Junge hat – vielleicht ohne es zu merken – etwas sehr Schönes getan: Er hat seine Umgebung beobachtet und versucht, sie für die Menschen um ihn herum einfacher zu gestalten. Das ist eine Eigenschaft, die jeder von uns öfter praktizieren sollte.
Wie oft laufen wir mit dem Blick auf das Handy oder grenzen uns mit Kopfhörern aus? Dabei verpassen wir alles, was live um uns herum passiert.
Ich lade dich ein, in der kommenden Woche achtsam zu gehen, dich umzuschauen und es diesem Jungen gleichzutun – indem du dich in deiner Gemeinde engagierst. Ich bin überzeugt, dass du dadurch bereichert wirst. Es lohnt sich, es zu versuchen, oder?
Dein innerer Dialog hat große Macht, denn er kann deine Stimmung beeinflussen.
Ich habe viele Jahre damit verbracht, scharfe Kritik mit mir selbst zu üben. Schon als kleines Kind habe ich immer viel von mir verlangt, und wenn ich mich nicht so verhalten habe, wie ich es mir gewünscht hätte, war ich sehr streng in meinem Urteil.
Mit der Zeit und dank der Hilfe eines weisen griechischen Herrn – der in Wahrheit ein kognitiver Verhaltenstherapeut war – habe ich gelernt, sanfter zu mir selbst zu sein.
Wenn man sich mit dem Thema Achtsamkeit beschäftigt, stößt man oft auf die Frage: „Würdest du das auch zu einem Freund sagen, der sich in der gleichen Situation befindet?“ Die meisten Male antwortete ich mit Nein. Ich habe mich gefragt, woher diese Unnachgiebigkeit mir selbst gegenüber kommt. Die Schlussfolgerung meiner Analyse ist einfach: Unsere Gesellschaft basiert auf Leistung. Wenn du nichts leistest, bist du nichts – und das ergibt überhaupt keinen Sinn, wie ich mit der Zeit gelernt habe.
Ein guter Selbstdialog muss man Tag für Tag üben. Jeder von uns sollte sich bewusst machen, dass wir immer unser Bestes geben – mit den Mitteln und der Energie, die uns zur Verfügung stehen. Manchmal müssen wir uns erlauben, weniger zu tun, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Ich habe kürzlich gelesen, dass wir am Ende unseres Lebens nur zwei Menschen glücklich machen müssen: das Kind, das wir mit acht Jahren waren, und den alten Menschen, der wir mit achtzig sein werden. Dem Kind müssen wir zeigen, dass wir alles Mögliche getan haben, um seine Träume zu verwirklichen. Dem alten Menschen sollten wir schöne Erinnerungen schenken. Das ist alles.
Sei wie ein Fluss: Fließe, egal wie dein Weg aussieht.
Als ich 2015 arbeitslos war, waren die Montage für mich am schlimmsten. Ich war ohnehin schon etwas verloren, und eine Woche zu beginnen, ohne einen Arbeitsplatz zu haben, an den ich gehen konnte, machte alles noch schlimmer. Doch was mir wirklich fehlte, war nicht das Büro oder die Kollegen, sondern eine Aufgabe. Deshalb begann ich, mir jeden Abend vorzunehmen, was ich am nächsten Tag tun wollte. Einen Aktionsplan zu erstellen, rettete meine Tage.
Es ist wichtig, etwas zu tun zu haben, um das Leben dynamischer zu gestalten und sich als aktiver Teil der Gesellschaft zu fühlen. Wenn man eine Aufgabe hat, hat man automatisch einen Grund, morgens aufzustehen und die Ärmel hochzukrempeln.
Falls du nicht weißt, wo du anfangen sollst und dich überfordert fühlst, notiere dir, was du tun möchtest – beginnend mit den Dingen, die dir positive Gefühle geben. Zum Beispiel schrieb ich im Oktober 2024, bevor ich in den Mutterschutz ging, diese Liste in meine Notizen-App auf dem Smartphone. Ich wollte sicherstellen, dass ich einen sicheren Anker hatte, falls Negativität die Kontrolle über meine Stimmung übernehmen würde.