Eine Brezel… danke!

Eine Brezel

Heute Morgen in der Schlange beim Bäcker war vor mir ein Papa mit einem Baby im Maxi-Cosi und einem vierjährigen Jungen. Schon beim Anstehen war ich erstaunt wie ruhig der Junge war: Er bewegte sich immer brav nach vorne, sobald sein Papa es auch tat. Als sie dran waren, merkte ich, dass der Junge zum Tresen ging, auf die Fußspitzen stieg und ein Euro auf den Tresen legte. Er sagte ganz stolz und konzentriert: “Ich hätte gerne eine Brezel!”. Als die Bäckerin Richtung der Brezeln ging, sagte sein Papa: “Und dann? Was musst du noch sagen?”. Der Junge überlegte keine Sekunde und fügte: “Danke!” hinzu. Nachdem die Bäckerin seinen Papa noch bedient hatte, sagte sie dem Jungen zum Verabschieden: “Das hast du richtig toll gemacht!”. Er ging aus der Bäckerei raus 2 cm größer.

Solche Szenen beobachte ich gerne und ich bin immer erstaunt, wenn Kinder unabhängig agieren. Man sieht ihnen die Konzentration und die Freude an, wenn sie das erreichen, was sie vor hatten.

Zeichnen ohne Radiergummi

Beim Nichtstun, habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich habe dabei einen unruhigen Kopf, der sich ständig bei mir meldet und nicht zufrieden stellt, wenn ich mal auf den Pause-Knopf drücken möchte. Danach gewinnt meistens der Kopf und hinterlässt mir ein komisches Gefühl, weil ich beim Nichtstun auch nicht richtig dabei war. Ich war schließlich zu sehr mit meinen Gedanken beschäftigt.

“Es gibt absolut nichts in der Vergangenheit, das du ändern kannst. Das ist simple Physik. Hab kein schlechtes Gewissen, wenn du nichts tust. Durch Tun entsteht wahrscheinlich mehr Schaden auf der Welt als durch Nichtstun. Aber mach das Beste aus dem Nichtstun. Sei achtsam dabei.” – dieser Satz vom englischen Autor Matt Haig ist für mich sehr wahr.

Ich bin gerade dabei zu lernen, bewusster zu entscheiden, wenn ich Nichtstun möchte und mir weniger dabei zu denken. So bin ich hinterher nicht mehr enttäuscht, dass ich die Zeit verschwendet habe, sondern bin ich eine Erfahrung reicher, weil ich mir doch eine Pause gönnen kann. Achtsamkeit ist oft der Schlüssel, den ich vergesse dabei zu haben.

Beim Leben macht man Fehler, aus Fehlern lernt man.

Tonia Mastrobuoni beim Deutschlandfunk Kultur

Tonia Mastrobuoni ist Deutschlandkorrespondentin der italienischen Tageszeitung La Repubblica. Sie verfasst jeden Samstag einen Newsletter für Rep:, der Bertolt heißt und über die Ereignisse in Deutschland berichtet.

Ich mag ihren Schreibstil sehr sowie wie sie mit ihrer italienischen Sichtweise über das Leben in Deutschland berichtet. Heute hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, sie auf Deutsch zu hören. Am Freitag 16.10.2020 war sie Gast beim Deutschlandfunk Kultur und sprach über die verschärften Coronaregeln.

Ich fand es sehr spannend sie auf Deutsch sprechen zu hören, vor allem weil sie gar keinen italienischen Akzent dabei hatte und ich bin generell von solchen Menschen immer sehr fasziniert. Zudem empfand ich, was sie berichtet hat, als sehr interessant auch im Bezug auf die neusten Maßnahmen, die man in Italien ergriffen hat, um die zweite Welle der Pandemie einzudämmen. Sie hat einige Hintergründe erklärt, die mir nicht so bewusst waren, wie z.B warum in Kampanien jetzt die Schulen erneut geschlossen wurden. Der Beitrag dauert zirka eine Stunde aber es lohnt sich meiner Meinung nach, ihn zu hören: Wie finden wir das richtige Maß?

Tonia Mastrobuoni, Quelle: bundesregierung.de

Mülle Grazie und mein Denkfehler

Mittwoch – Ich bin in der Nähe vom Feuersee in Stuttgart-West und spaziere, als ich an einer Kreuzung einen Mülleimer sehe. Ein drauf geklebter Pfeil zeigt zum Loch. Unter diesem Pfeil lese ich “Mülle Grazie” und direkt fängt mein Gehirn an, sich aufzuregen.

Ich denke: “Äh?! Wie meinen sie das? Soll das ein Witz sein, weil wir Italiener immer tendieren, am Ende jedes deutschen Wortes einen ‘-e‘ einzufügen. Wie diese Bekannte von mir, die mal zu ihrem Freund auf Italienisch in Karlsruhe sagte: “Amo, sto a Marktplatze!” (Liebling, ich bin am Marktplatze!). Oder beziehen sie sich jetzt auf die unzähligen Müllskandalen in Italien? Soll ich mich jetzt wirklich aufregen?!”

Ein bisschen Zeit vergeht und, als ich fast meine innerliche Aufregung vergessen hatte, fing ich an, zu verstehen…

“Ah, echt jetzt?! Das war ein Wortspiel! Mülle Grazie = mille grazie. Die Stadt Stuttgart wollte sich damit bei den Bürgern bedanken, die sich Mühe geben und ihren Müll in den Mülleimern entsorgen. Oh Mann, können sich die Deutschen das endlich nicht mal abgewöhnen: Niemand sagt in Italien mille grazie! Man sagt: Grazie mille!!!

Der öffentliche Mülleimer mit der Schrift Mülle Grazie

Gleichgewicht

Ein Status,
ein bewusster Atemzug,
ein sicherer Hafen, an dem
man immer zurückkehren möchte.
Zwei zusammengestellte Wörter:
gleich und Gewicht.
Die Kunst im Leben besteht darin,
die Balance zu finden,
sie vielleicht kurz zu verlieren
aber nach einiger Zeit
dann wieder zu finden
oder neu zu entdecken.
Das Gleichgewicht ist
für jeden von uns
ein unentbehrlicher Schatz.

Dominica – Eine große Frucht auf einem kleinen Busch: Sie fällt nicht runter.

Drei reflexive Verben, viele Gedanken

Während meiner ersten Italienisch Unterricht mit Dominik haben wir uns ganz lange und ungeplant über reflexive Verben unterhalten. Er ist Informatiker und für ihn sind die Regeln und die Bezeichnungen der Grammatik etwas mysteriöses. Die reflexive Verben beschäftigten ihn also ganz lange und warfen Fragen auf, die ich versuchte zu beantworten. In der letzten Zeit gibt es drei reflexive Verben, die mich beschäftigen und zwar:

  • sich beschäftigen
  • sich motivieren
  • sich engagieren

Für mich sind diese Verben untereinander in meinen Gedanken thematisch verbunden und konsequent. Es gibt kein Engagement ohne einen Grund oder jemanden, der sich mit etwas befasst hat.

Aber wenn du dich auch fragst, was reflexive Verben sind, hier eine kurze Erklärung:

Reflexiv bedeutet rückbezüglich. Reflexive Verben verlangen ein zusätzliches Reflexivpronomen. Das Reflexivpronomen bezieht sich auf das Subjekt im Satz zurück. Im Deutschen werden reflexive Verben verwendet, wenn Subjekt und Objekt dieselbe Person sind (z.B. er rasiert sich).

🙂

 

Feinstaub in Stuttgart: Die S-Bahn ist keine Alternative

Am 28.01. wurde mal wieder nach Feinstaubalarm in Stuttgart geschrien.

Nach einem Tag beweist sich aber die VVS als keine Alternative für den Straßenverkehr.

Eine Gesellschaft, die mal wieder Ihren Passagieren keinerlei Informationen, weder in der App noch durch Ihrem Personal, anbieten kann. Für 2 Stunden war die VVS nicht in der Lage, eine alternative Fahrtmöglichkeit zwischen Stuttgart und Flughafen anzubieten. Das Chaos wurde von einem Notarzt-Einsatz im Schwabtunnel verursacht.

Nur die Monitore lieferten, wenn überhaupt, (unvollständige) Informationen den verzweifelten Passagieren. Keine Lautsprecher-Ansage war weder in der Schwabstraße noch am Hauptbahnhof zu hören. Menschenmassen bildeten sich am Hauptbahnhof, ohne dass jemand sich verantwortlich fühlte.

Wenn man einen Zug erwischte, stand man wie eine Sardelle eine Weile im Zug, ohne zu wissen ob und wann er fahren würde.

Es tut mir Leid, das zu schreiben aber der Weg, sich als mögliche Auto-Alternative zu positionieren, ist für die VVS noch sehr lang. Das bestätige ich als täglicher VVS-Fahrgast und das ist in einer von den Grünen regierten Stadt echt traurig.

Dankbarkeit

Katha hat mir das Buch Die Begegnung von Andy Andrews ausgeliehen. Ich bin ganz am Anfang und schon in dem ersten Kapitel habe ich einen Absatz gelesen, der mich zum nachdenken gebracht hat:

Das, worauf man sich im Leben konzentriert, nimmt zu. […] Wenn man sich auf die Dinge konzentriert, die man meint zu brauchen, […] dann wird das Bedürfnis danach wachsen. […] Wenn man sich auf seine Verluste konzentriert, dann wird man wahrscheinlich noch mehr verlieren. Eine dankbare Lebenshaltung dagegen führt zu Zufriedenheit und Überfluss im Leben.

Seit Anfang dieses Jahres habe ich mein Fokus auf Dankbarkeit gesetzt. Das hat mich in verschiedenen Hinsichten weitergebracht. Ich denke, dass sich mein Erscheinungsbild anderen gegenüber durch diese. positiven Gedanken verändert hat. Ich bin mehr aufmerksam geworden und fühle mich dankbar für die kleinen Dingen die meinen Alltag gestalten. Ich denke wirklich, dass es immer einen Grund gibt, dankbar zu sein. Wenn man sich auf Dankbarkeit konzentriert, werden die kleinen Monster, die Angst und Sorgen in uns verbreiten, eine andere und nicht so erschreckende Form annehmen.

Aber ich habe gar keine Zeit und ich weiss nicht wie ich anfangen soll, und wenn es mich nicht weiterbringt?“, das denkst du vielleicht gerade. Ich habe es so angefangen: Ich habe mir ein schönes, grünes Heft (grün ist in Italien die Farbe der Hoffnung) gekauft und  jeden Tag 5 Dinge aufgeschrieben, für die ich dankar war. Ich habe sofort gemerkt, wie einfach und schnell es für mich war: Ich hatte so viele Sachen zu schreiben, dass ich oft ein ganzes Blatt benutzt habe. Ich bin mir sicher bei dir wird es nicht anders sein. Probiere es aus und lass es mich wissen!

Spiele, lächle, denke an mich

von Henry Scott Holland

Tod bedeutet gar nichts. Ich bin nur nach nebenan verschwunden. Ich bin ich und du bist du. Was immer wir füreinander waren, das sind wir noch. Nenne mich bei dem alten vertrauten Namen. Sprich von mir, wie du es immer getan hast. Ändere nicht deinen Tonfall. Zwinge dich nicht zu aufgesetzter Feierlichkeit oder Traurigkeit. Lache weiterhin über die kleinen Scherze, an denen wir gemeisam Spaß hatten. Spiele, lächle, denke an mich, bete für mich. Lass meinen Namen weiterhin so geläufig sein, wie er immer war. Sprich ihn unbekümmert aus, ohne die Spur eines Schattens. Das Leben bedeutet all das, was es bisher bedeutete. Es ist genauso wie immer. Es geht uneingeschränkt und ununterbrochen weiter. Ist der Tod nicht nur ein unbedeutender Zwischenfall? Warum sollte ich vergessen sein, nur weil du mich nicht mehr siehst? Ich warte einstweilen auf dich, ganz in der Nähe, nur um die Ecke. Alles ist gut.

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