Stelle dich deinen Ängsten

Viele Jahre lang hatte ich Angst vor dem Autofahren. Mit 18 habe ich meinen Führerschein gemacht, aber das Fahren war nicht etwas, das ich danach gleich praktiziert habe. Meine Mutter traute sich nicht, mir das Auto zu überlassen, und ich habe nie darauf bestanden, um keine Diskussionen zu führen.

Als ich während meines ersten Studienjahres als Au-pair-Mädchen arbeitete, war ich überrascht, wie sehr die Mutter der Kinder, auf die ich aufpasste, meinen Fahrfähigkeiten vertraute. Sie ließ mich nicht nur sofort fahren, sondern vertraute mir auch ihre kleinste Tochter im Auto an. Nach dieser Erfahrung habe ich das Fahren allerdings nicht weiter geübt.

Als ich nach Deutschland zog, bewegte ich mich meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad. Das Carsharing nutzte ich nur selten.

Irgendwann wurde mir aber klar, wie viel Unabhängigkeit das Autofahren verleiht, und nachdem ich weit von meinem Arbeitsplatz umgezogen war, kaufte ich ein Auto und begann regelmäßig zu fahren – und stellte mich damit meiner großen Angst.

Allerdings bewegte ich mich dabei immer in einer Art Komfortzone: Ich fuhr stets mit dem beruhigenden Wissen, dass Dominik in der Nähe war und ich ihn im Notfall kontaktieren konnte.

Diese Woche aber war er nicht da, und ich musste trotzdem fahren, um einkaufen zu gehen. Der Gedanke, allein zu sein, hat mich ziemlich nervös gemacht. Aber die Tatsache, dass ich nicht zu Fuß einkaufen gehen konnte, trieb mich in die Enge. Ich war gezwungen, mich auch dieser Angst zu stellen.

Als ich am Dienstag im Auto saß, spürte ich eine gewisse Unruhe. Aber ich machte ein paar tiefe Atemzüge und drehte den Schlüssel. Ich sagte mir, dass ich vorsichtig und ruhig fahren würde und dass nichts passieren würde – und so war es auch.

Ängste sind dafür da, dass wir uns ihnen stellen. Wenn wir uns dieser Auseinandersetzung entziehen, werden wir uns in unserer Haut nicht wohlfühlen. Sobald wir uns unserer Furcht gestellt haben, werden wir uns stark fühlen, fast wie Superhelden. Wir werden eine ansteckende Energie haben. Es wird nicht immer leicht sein, aber es ist sicherlich besser, mutig zu sein und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben, als sich zu verstecken.

Ich am Dienstag nachdem ich in der Garage eingeparkt hatte

Disziplin

Manchmal versucht unser Verstand, uns davon zu überzeugen, etwas nicht zu tun, das wir eigentlich tun sollten. Er findet Ausreden und Gründe, diese Handlung nicht auszuführen. Genau in solchen Momenten kommt uns eine Eigenschaft zu Hilfe, die wir im Laufe unseres Lebens pflegen müssen: die Disziplin.

Warum müssen wir sie pflegen? Ganz einfach: weil sie uns hilft, unser Leben leichter zu erleben. Wenn wir diszipliniert sind, überlegen wir nicht zweimal, sondern wir handeln. Wir erledigen, was zu tun ist, und machen mit unserem Tag weiter.

Die Disziplin schenkt uns außerdem ein gutes Gefühl: Wir halten uns selbst gegenüber unsere Versprechungen.

Nichts ist befriedigender, als eine Aufgabe unter schwierigen Bedingungen abzuschließen, denn wir sind uns der Mühe bewusst, die wir dabei hatten.

Manchmal brauchen wir nur eines: die Augen schließen und weitermachen, indem wir uns auf unser System verlassen.

Ich ging ins Fitnessstudio, auch wenn draußen regnete.

Alle Facetten der Erholung

Es gibt verschiedene Arten, sich zu erholen. Wenn unser Körper uns signalisiert, dass wir einen Gang zurückschalten müssen, bedeutet das nicht unbedingt, dass wir uns hinlegen und versuchen sollten zu schlafen.

Man kann sich auch erholen, indem man etwas Aktives tut. Ein Spaziergang an der frischen Luft, ein Telefonat oder ein Treffen mit einer Freundin, Sport treiben oder in ein Buch eintauchen: All das sind Aktivitäten, die es uns ermöglichen, uns zu regenerieren.

Sie vermitteln uns ein positiveres Gefühl als die klassische Erholung mit geschlossenen Augen. Der Grund dafür ist, dass wir unsere Stimmung verbessern können, wenn wir unsere Zeit aktiv nutzen. Beim Schlafen dagegen schalten wir uns ab, und wenn wir die Augen wieder öffnen, sind die negativen Gefühle wieder da und warten auf uns.

Wenn du dich energielos fühlst, frag dich, was du am meisten brauchst, und handle entsprechend. Manchmal ist genau das, was wir zu vermeiden versuchen, was wir am dringendsten brauchen.

Spazieren hilft beim Regenerieren

Geh zu Fuss einkaufen

Es gibt eine Folge des Podcasts Educare con calma von Carlotta Cerri, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Darin wird ihre Schwester Cristiana interviewt, eine Expertin für Nachhaltigkeit.

In dieser Folge empfiehlt Cristiana Cerri, mindestens einmal pro Woche zu Fuß einzukaufen. Man kann zum Supermarkt, zum Bioladen oder zum Wochenmarkt gehen – einfach ohne Auto. Es ist eine kleine Geste mit großer ökologischer Wirkung.

Als ich in Stuttgart lebte, bin ich ausschließlich zu Fuß einkaufen gegangen. Mit Rucksack und Stoffbeuteln ausgestattet sagte ich beim Heimkommen scherzhaft: „Der Lastesel ist zurück!“. Auch bei der Wahl unseres Hauses in Weil der Stadt war für mich die fußläufige Erreichbarkeit von Infrastruktur wie Supermarkt und Bäckerei ein wichtiges Kriterium.

Ich glaube, wenn wir für Strecken, die wir aus Bequemlichkeit mit dem Auto fahren würden, öfter zu Fuß gehen oder Rad fahren würden, könnten wir ohne große Anstrengung einen positiven Beitrag zum Umweltschutz leisten. Gleichzeitig würden wir direkt von der Bewegung profitieren.

Ich gestern auf dem Rückweg vom Einkaufen zu Fuss

Schaffe Raum in deinen Freundschaften

Eines der schönsten Merkmale einer Freundschaft ist, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem man sich öffnen kann.

Gerade in schwierigen Situationen ist es eine große Erleichterung zu wissen, dass man Freunde hat, die einem den nötigen Raum lassen, um sich frei zu unterhalten. Sprechen zu können, während man die ungeteilte Aufmerksamkeit des Gegenübers genießt, vermittelt uns ein positives Gefühl.

Wenn man in schwierigen Gewässern navigiert, die Last unseres Boots zu teilen, macht uns nicht nur leichter, sondern auch freier in unserem Handlungsspielraum.

Eine Freundschaft, in der man selbst unter schwierigen Bedingungen blühen kann, sollte man festhalten.

In der Freundschaft lass diejenigen blühen, die an deiner Seite stehen.

Ich lebe in meinem Kopf

Ich mag tiefergehende Gespräche – solche, in denen man über das eigene Leben philosophiert, über Entscheidungen, Motivationen und Gedanken. Das sind die Gespräche, in denen ich am meisten über die Person vor mir erfahre. Ich erzähle etwas über mich, öffne mich dabei und beobachte die Reaktion meines Gegenübers. An ihrer Reaktion lerne ich nicht nur etwas über diese Person, sondern auch über mich selbst.

Ich lebe viel in meinem Kopf, und manchmal ist es schön, die Türen zu öffnen und jemanden einzuladen, dem ich meine privatesten Gedanken anvertraue. Wenn ich das tue, dann weil ich meinem Gegenüber vertraue. Bestimmte Themen auszusprechen hilft mir, sie besser einzuordnen, indem ich Abstand gewinne.

Jeder Gedanke sollte nur vorübergend sein – und wenn er stattdessen lange in unserem Kopf bleibt, ist es nie falsch, darüber zu sprechen. Die eigenen Erfahrungen zu teilen bereichert die Freundschaft und bietet eine weitere Perspektive, von der aus man sie betrachten kann.

Definiere keinen Tag als negativ

Etwas, das ich im letzten Jahrzehnt gelernt habe, ist, keinen Tag als negativ zu bezeichnen. Der Grund dafür ist einfach: Man hat immer die Möglichkeit, ihn in eine positive Richtung zu lenken. Man muss nur den Fokus seiner Gedanken ändern.

Oft drehen wir uns in unseren negativen Gedanken im Kreis und bemitleiden uns selbst so sehr, dass es schwerfällt, einen Ausweg aus diesen Gefühlen zu finden. Wenn wir jedoch einen Schritt zurücktreten und die Situation objektiv betrachten, können wir lernen, das zu schätzen, was wir haben. Ja, vielleicht erleben wir einen schwierigen Tag, aber wenn wir uns auf das Positive in unserem Leben konzentrieren, werden wir uns sofort besser fühlen. Dieses positive Gefühl können wir zum Beispiel durch Dankbarkeit stärken.

Allein schon drei Dinge aufzuzählen, für die wir dankbar sind, kann in uns positive Gefühle auslösen. Es lenkt den Blick auf das, was in unserem Leben gut funktioniert, und reduziert die Aufmerksamkeit für negative Gedanken. So fühlen wir uns sofort besser – und vielleicht können wir sogar eine Aktivität ausüben, die dieses Gefühl verlängert. Und schon erweist sich ein schwieriger Tag als teilweise positiv – und das ist ein guter Ausgangspunkt für den nächsten Tag.

Inne halten und atmen

Freitag fühlte ich mich irgendwie unruhig. Es war mein freier Tag von der Arbeit. Normalerweise nutze ich die Zeit für Einkäufe und Haushalt. Nach dem Einkaufen habe ich das Bad geputzt und dann das Mittagessen vorbereitet. Beim Gemüse schneiden ist mir meine Unruhe bewusst geworden. Als ich mit Dominik darüber sprach, kamen wir zu dem Schluss, dass ich vielleicht eine Pause brauche. Nach dem Essen habe ich mich also auf das Sofa gelegt.

Wenn ich mir eine Pause gönne, habe ich oft ein schlechtes Gewissen. Ich weiß genau, woher das kommt und wie ich damit umgehen kann. Meine Strategie an diesem Freitag war zum Beispiel, mich auf den Atem zu konzentrieren, um meinen Geist zu beruhigen. Ich habe einen Timer auf vierzig Minuten gestellt und bin einfach nur daliegen geblieben – ohne Geräte, ohne Ablenkung. Nur ich und mein Atem. Auch wenn es mir schwerfiel, mir diese Pause zu gönnen, war dieser Moment für mich entscheidend. Er hat mich beruhigt.

Unser Alltag ist oft hektisch, daher ist es sehr wichtig, sich bewusst eine Pause zu nehmen. Sich Zeit zu nehmen, um runterzukommen – vom Kopf in den Körper zurückzufinden – kann unsere Stimmung verbessern.

Falls du gestresst bist und nicht weißt warum: Halte inne und atme.

Wenn ich laufe, dann laufe ich

Schon seit einiger Zeit denke ich über mein Verhältnis zum Smartphone nach. Falls du meinen Post von letzter Woche gelesen hast, ist dir das vielleicht aufgefallen. Mein Algorithmus weiß es wahrscheinlich auch – Instagram hat mir vor ein paar Tagen ein interessantes Video von einem meiner Lieblingsautoren zum Thema Technologie vorgeschlagen: Arthur C. Brooks. Hier der Link.

In letzter Zeit habe ich mich besonders darauf konzentriert, das Smartphone nicht zu benutzen, wenn ich unterwegs bin. Da ich weit weg von Familie und alten Freunden lebe, habe ich oft meine Freizeit an der frischen Luft genutzt, um Sprachnachrichten zu verschicken oder auf Textnachrichten zu antworten. Das hat einen besonders negativen Zug angenommen, als ich während der Elternzeit lange Spaziergänge mit dem Kinderwagen gemacht habe. Damals habe ich Podcasts oder Hörbücher mit dem Handy gehört, um mich zu unterhalten, während meine Tochter im Kinderwagen schlief. Dabei habe ich alles verpasst, was um mich herum geschah – ich war mit meinen Kopfhörern in meiner eigenen Blase. Ich gebe auch zu: Ich habe auch mehrere Blogposts geschrieben, während ich den Kinderwagen geschoben habe. Aber es war die einzige ruhige Zeit, die ich hatte.

Der Weckruf kam für mich, als ich in der Innenstadt von Weil der Stadt unterwegs war und auf zwei „Handyzombies“ traf: zwei etwa vierzehnjährige Freundinnen, die statt zu plaudern, einfach hintereinander herliefen und auf ihre Smartphone-Bildschirme starrten. Statt mit dem Finger auf sie zu zeigen, habe ich reflektiert – und gemerkt, dass ich nicht besser bin. Ich begann mich zu fragen, warum ich diese ständige Technologie-Nutzung brauchte, und kam zu dem Schluss, dass ich oft zum Smartphone griff, wenn ich nicht wusste, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte. Also fing ich an, meine Zeit besser zu planen. Jetzt habe ich so viele To-dos, dass ich mein Handy irgendwo liegen lasse und nicht mehr daran denke.

Ich laufe, wenn ich laufe. Ich sehe mich dabei um und höre den Klängen der Natur zu. Wenn ich mit meiner Tochter unterwegs bin, die mittlerweile im Kinderwagen kaum noch schläft, ist das Smartphone für mich tabu. Ich habe die Freude am Offline-Leben wiederentdeckt – und ich glaube, das ist erst der Anfang.

Natürlich schicke ich weiterhin Sprachnachrichten, schreibe für diesen Blog und in sozialen Medien. Aber ich mache das bewusst: Ich nehme mir Zeit, um mich nur darauf zu konzentrieren. Ich stopfe damit keine Lücken.

Dieser Post soll dich daran erinnern, dass das Leben jenseits eines Bildschirms stattfindet – und es wäre wirklich Schade, es zu verpassen.

Ein Blick von einem Turm, auf den ich in Friedrichshafen bewusst gestiegen bin.

Ohne Make-up

In ihrem neuesten Buch „All the way to the River“ erzählt Elizabeth Gilbert, dass sie seit dem Tod ihrer Lebensgefährtin beschlossen hat, sich nicht mehr zu schminken. Eine bewusste Entscheidung, um sich von der Sklaverei zu befreien, perfekt sein zu müssen – ein Ideal, das die Gesellschaft uns Frauen aufzwingt.

Während meiner Schwangerschaft habe ich viel darüber nachgedacht, welches Frauenbild ich meiner Tochter vorleben möchte. Und ich bin zum gleichen Schluss gekommen. Seit nun fast eineinhalb Jahren trage ich kein Make-up mehr. Das heißt nicht, dass ich mich nicht pflege. Es bedeutet nur, dass ich keine Produkte mehr verwende, die mein Aussehen verändern.

Warum sollte ich mein Bild täuschen, nur um Stereotypen zu entsprechen, die mir die Gesellschaft aufdrängt – und in denen ich mich nicht wiederfinde?

Wenn ich unterwegs bin, sehe ich junge Frauen, die sich in diesem gesellschaftlichen Zwang verlieren, und ich kann es nicht fassen. Make-up soll die kleinen Unvollkommenheiten verdecken, die uns doch erst menschlich machen. Gerade unsere Menschlichkeit ist es aber, die wir am meisten wertschätzen sollten.

Frag dich: Warum schminke ich mich? Und wenn dir die Antwort nicht gefällt, dann denk daran – es ist nie zu spät, seine Gewohnheiten zu ändern.

Ein Selfie von mir kurz bevor ich angefangen habe, diesen Post zu schreiben: Ohne Make-up und ohne Täuschung.