Eines der schönsten Merkmale einer Freundschaft ist, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem man sich öffnen kann.
Gerade in schwierigen Situationen ist es eine große Erleichterung zu wissen, dass man Freunde hat, die einem den nötigen Raum lassen, um sich frei zu unterhalten. Sprechen zu können, während man die ungeteilte Aufmerksamkeit des Gegenübers genießt, vermittelt uns ein positives Gefühl.
Wenn man in schwierigen Gewässern navigiert, die Last unseres Boots zu teilen, macht uns nicht nur leichter, sondern auch freier in unserem Handlungsspielraum.
Eine Freundschaft, in der man selbst unter schwierigen Bedingungen blühen kann, sollte man festhalten.
In der Freundschaft lass diejenigen blühen, die an deiner Seite stehen.
Ich mag tiefergehende Gespräche – solche, in denen man über das eigene Leben philosophiert, über Entscheidungen, Motivationen und Gedanken. Das sind die Gespräche, in denen ich am meisten über die Person vor mir erfahre. Ich erzähle etwas über mich, öffne mich dabei und beobachte die Reaktion meines Gegenübers. An ihrer Reaktion lerne ich nicht nur etwas über diese Person, sondern auch über mich selbst.
Ich lebe viel in meinem Kopf, und manchmal ist es schön, die Türen zu öffnen und jemanden einzuladen, dem ich meine privatesten Gedanken anvertraue. Wenn ich das tue, dann weil ich meinem Gegenüber vertraue. Bestimmte Themen auszusprechen hilft mir, sie besser einzuordnen, indem ich Abstand gewinne.
Jeder Gedanke sollte nur vorübergend sein – und wenn er stattdessen lange in unserem Kopf bleibt, ist es nie falsch, darüber zu sprechen. Die eigenen Erfahrungen zu teilen bereichert die Freundschaft und bietet eine weitere Perspektive, von der aus man sie betrachten kann.
Ich höre gerade ein Buch einer amerikanischen Autorin, die ich sehr schätze: Kay Redfield Jamison. Das Buch heißt „Fires in the Dark: Healing the Unquiet Mind“ und behandelt die Frage, wie man von psychischen Erkrankungen heilen kann. Eine Methode, die Kay Redfield Jamison beschreibt, ist das Schreiben als Therapie – und ich kann ihr da nur zustimmen.
Seit nunmehr fünf Jahren schreibe ich jeden Morgen meine Gedanken in ein digitales Tagebuch. Ich schreibe weder, um es später zu lesen, noch für jemanden anderen. Ich schütte einfach alles aus, was mir in den ersten Stunden des Tages durch den Kopf geht. Oft schreibe ich darüber, wie ich die Nacht verbracht habe, und frage mich, wie ich mich fühle. Dabei versuche ich, so ehrlich wie möglich zu sein. Diese wenigen Zeilen, die für mich so wichtig geworden sind, haben keinen bestimmten Adressaten. Es ist der Moment am Tag, in dem ich in mich hineinhorche und mich mit meiner Seele verbinde.
Mein „Morgen-Tagebuch“, wie ich es genannt habe, war in all den Jahren eine große Stütze für mich. Ich glaube, dass ich in den letzten fünf Jahren mehr Fortschritte bei der Bewältigung meines unruhigen Geistes gemacht habe als je zuvor. Das tägliche Schreiben hat mir geholfen, wiederkehrende Muster zu erkennen, Veränderungen umzusetzen und in mir selbst die Kraft zu finden, weiterzumachen.
Etwas, das Kay Redfield Jamison schreibt, vermittelt Hoffnung: Es ist möglich, aus einer psychischen Erkrankung herauszufinden – aber es erfordert harte Arbeit an sich selbst. Diese Aufgabe anzugehen, ist unsere Verantwortung.
Etwas, das ich im letzten Jahrzehnt gelernt habe, ist, keinen Tag als negativ zu bezeichnen. Der Grund dafür ist einfach: Man hat immer die Möglichkeit, ihn in eine positive Richtung zu lenken. Man muss nur den Fokus seiner Gedanken ändern.
Oft drehen wir uns in unseren negativen Gedanken im Kreis und bemitleiden uns selbst so sehr, dass es schwerfällt, einen Ausweg aus diesen Gefühlen zu finden. Wenn wir jedoch einen Schritt zurücktreten und die Situation objektiv betrachten, können wir lernen, das zu schätzen, was wir haben. Ja, vielleicht erleben wir einen schwierigen Tag, aber wenn wir uns auf das Positive in unserem Leben konzentrieren, werden wir uns sofort besser fühlen. Dieses positive Gefühl können wir zum Beispiel durch Dankbarkeit stärken.
Allein schon drei Dinge aufzuzählen, für die wir dankbar sind, kann in uns positive Gefühle auslösen. Es lenkt den Blick auf das, was in unserem Leben gut funktioniert, und reduziert die Aufmerksamkeit für negative Gedanken. So fühlen wir uns sofort besser – und vielleicht können wir sogar eine Aktivität ausüben, die dieses Gefühl verlängert. Und schon erweist sich ein schwieriger Tag als teilweise positiv – und das ist ein guter Ausgangspunkt für den nächsten Tag.
Freitag fühlte ich mich irgendwie unruhig. Es war mein freier Tag von der Arbeit. Normalerweise nutze ich die Zeit für Einkäufe und Haushalt. Nach dem Einkaufen habe ich das Bad geputzt und dann das Mittagessen vorbereitet. Beim Gemüse schneiden ist mir meine Unruhe bewusst geworden. Als ich mit Dominik darüber sprach, kamen wir zu dem Schluss, dass ich vielleicht eine Pause brauche. Nach dem Essen habe ich mich also auf das Sofa gelegt.
Wenn ich mir eine Pause gönne, habe ich oft ein schlechtes Gewissen. Ich weiß genau, woher das kommt und wie ich damit umgehen kann. Meine Strategie an diesem Freitag war zum Beispiel, mich auf den Atem zu konzentrieren, um meinen Geist zu beruhigen. Ich habe einen Timer auf vierzig Minuten gestellt und bin einfach nur daliegen geblieben – ohne Geräte, ohne Ablenkung. Nur ich und mein Atem. Auch wenn es mir schwerfiel, mir diese Pause zu gönnen, war dieser Moment für mich entscheidend. Er hat mich beruhigt.
Unser Alltag ist oft hektisch, daher ist es sehr wichtig, sich bewusst eine Pause zu nehmen. Sich Zeit zu nehmen, um runterzukommen – vom Kopf in den Körper zurückzufinden – kann unsere Stimmung verbessern.
Falls du gestresst bist und nicht weißt warum: Halte inne und atme.
Schon seit einiger Zeit denke ich über mein Verhältnis zum Smartphone nach. Falls du meinen Post von letzter Woche gelesen hast, ist dir das vielleicht aufgefallen. Mein Algorithmus weiß es wahrscheinlich auch – Instagram hat mir vor ein paar Tagen ein interessantes Video von einem meiner Lieblingsautoren zum Thema Technologie vorgeschlagen: Arthur C. Brooks. Hier der Link.
In letzter Zeit habe ich mich besonders darauf konzentriert, das Smartphone nicht zu benutzen, wenn ich unterwegs bin. Da ich weit weg von Familie und alten Freunden lebe, habe ich oft meine Freizeit an der frischen Luft genutzt, um Sprachnachrichten zu verschicken oder auf Textnachrichten zu antworten. Das hat einen besonders negativen Zug angenommen, als ich während der Elternzeit lange Spaziergänge mit dem Kinderwagen gemacht habe. Damals habe ich Podcasts oder Hörbücher mit dem Handy gehört, um mich zu unterhalten, während meine Tochter im Kinderwagen schlief. Dabei habe ich alles verpasst, was um mich herum geschah – ich war mit meinen Kopfhörern in meiner eigenen Blase. Ich gebe auch zu: Ich habe auch mehrere Blogposts geschrieben, während ich den Kinderwagen geschoben habe. Aber es war die einzige ruhige Zeit, die ich hatte.
Der Weckruf kam für mich, als ich in der Innenstadt von Weil der Stadt unterwegs war und auf zwei „Handyzombies“ traf: zwei etwa vierzehnjährige Freundinnen, die statt zu plaudern, einfach hintereinander herliefen und auf ihre Smartphone-Bildschirme starrten. Statt mit dem Finger auf sie zu zeigen, habe ich reflektiert – und gemerkt, dass ich nicht besser bin. Ich begann mich zu fragen, warum ich diese ständige Technologie-Nutzung brauchte, und kam zu dem Schluss, dass ich oft zum Smartphone griff, wenn ich nicht wusste, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte. Also fing ich an, meine Zeit besser zu planen. Jetzt habe ich so viele To-dos, dass ich mein Handy irgendwo liegen lasse und nicht mehr daran denke.
Ich laufe, wenn ich laufe. Ich sehe mich dabei um und höre den Klängen der Natur zu. Wenn ich mit meiner Tochter unterwegs bin, die mittlerweile im Kinderwagen kaum noch schläft, ist das Smartphone für mich tabu. Ich habe die Freude am Offline-Leben wiederentdeckt – und ich glaube, das ist erst der Anfang.
Natürlich schicke ich weiterhin Sprachnachrichten, schreibe für diesen Blog und in sozialen Medien. Aber ich mache das bewusst: Ich nehme mir Zeit, um mich nur darauf zu konzentrieren. Ich stopfe damit keine Lücken.
Dieser Post soll dich daran erinnern, dass das Leben jenseits eines Bildschirms stattfindet – und es wäre wirklich Schade, es zu verpassen.
Ein Blick von einem Turm, auf den ich in Friedrichshafen bewusst gestiegen bin.
Ein langes Wochenende am See. Ein Bungalow auf einem Campingplatz mit Strom und Kühlschrank. Wir drei und unsere Freunde. Das Handy war immer weit weg und wurde vergessen.
Abzuschalten und im Hier und Jetzt zu leben, bringt nur Gutes. Ohne Social Media verpasst man absolut nichts.
In ihrem neuesten Buch „All the way to the River“ erzählt Elizabeth Gilbert, dass sie seit dem Tod ihrer Lebensgefährtin beschlossen hat, sich nicht mehr zu schminken. Eine bewusste Entscheidung, um sich von der Sklaverei zu befreien, perfekt sein zu müssen – ein Ideal, das die Gesellschaft uns Frauen aufzwingt.
Während meiner Schwangerschaft habe ich viel darüber nachgedacht, welches Frauenbild ich meiner Tochter vorleben möchte. Und ich bin zum gleichen Schluss gekommen. Seit nun fast eineinhalb Jahren trage ich kein Make-up mehr. Das heißt nicht, dass ich mich nicht pflege. Es bedeutet nur, dass ich keine Produkte mehr verwende, die mein Aussehen verändern.
Warum sollte ich mein Bild täuschen, nur um Stereotypen zu entsprechen, die mir die Gesellschaft aufdrängt – und in denen ich mich nicht wiederfinde?
Wenn ich unterwegs bin, sehe ich junge Frauen, die sich in diesem gesellschaftlichen Zwang verlieren, und ich kann es nicht fassen. Make-up soll die kleinen Unvollkommenheiten verdecken, die uns doch erst menschlich machen. Gerade unsere Menschlichkeit ist es aber, die wir am meisten wertschätzen sollten.
Frag dich: Warum schminke ich mich? Und wenn dir die Antwort nicht gefällt, dann denk daran – es ist nie zu spät, seine Gewohnheiten zu ändern.
Ein Selfie von mir kurz bevor ich angefangen habe, diesen Post zu schreiben: Ohne Make-up und ohne Täuschung.
„Teilen“ war eines der ersten Verben, die ich Dominik auf Italienisch beigebracht habe. Er, der als Einzelkind alles für sich allein hatte, hat während unserer Beziehung so viele Momente und Dinge mit mir geteilt.
In letzter Zeit teile ich etwas, von dem ich dachte, es würde nur mich interessieren: mein Meditationskissen.
Seit unsere Tochter selbstständig sitzen und sich wieder aufrichten kann, hat mein Meditationskissen eine neue Bestimmung gefunden. Es ist zu einer Leseecke geworden. Unsere Tochter wählt ein Buch vom Regal aus, trägt es durch das ganze Zimmer, setzt sich auf das Meditationskissen und wartet darauf, dass ich ihr den Inhalt vorlese. Dieses Ritual wiederholen wir viele Male über den Tag verteilt. Das Lesen ist ihre große Leidenschaft, und ich freue mich, dass sie sich auf meinem Kissen – das jetzt auch ein bisschen ihr eigenes ist – wohlfühlt.
Wenn ein neues Leben in dein Leben kommt, verändert es dessen Bedeutung – und aus diesem neuen Zusammenspiel entsteht immer etwas Einzigartiges.
Gestern ist es mir wieder passiert: Das Leben hat mir genau das vor Augen geführt, was ich brauchte.
Ich stand an der Selbstbedienungskasse im Supermarkt, als mich das Gespräch eines Angestellten mit einer Kundin vom Einpacken ablenkte.
Es war ein junger Mann, wahrscheinlich ein Student, der sich in seinem Nebenjob als Verkäufer im Supermarkt von Weil der Stadt etwas dazuverdient. „Wie kann ich helfen?“ fragte er freundlich eine ältere Dame, die – um die Schlange zu vermeiden – sich vermutlich zum ersten Mal an der Selbstbedienungskasse versuchte. Eine einfache, höfliche Frage, die einen Gedanken ausdrückte, der mir sehr am Herzen liegt. Eine Frage, die viele andere impliziert: „Wie kann ich anderen behilflich sein?“ „Wie kann ich mit meinen Handlungen etwas Positives in der Gesellschaft beitragen?“ „Wie kann ich meine Arbeit so ausführen, dass ich freundlich und fürsorglich gegenüber anderen bin?“
Ich glaube, dass das Leben einen anderen Geschmack hat, wenn unsere Handlungen nicht darauf abzielen, unser Ego zu befriedigen. Wenn wir bescheiden genug sind, um andere zu dienen, werden wir in dem, was wir tun, einen größeren Sinn erkennen. Wenn wir in der Lage sind, uns selbst zurückzunehmen – indem wir uns nicht an die erste Stelle setzen – werden wir spüren, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind.
Dieser junge Mann im Supermarkt hat genau das getan: Er hat sich zur Verfügung gestellt und seine Aufgabe freundlich und respektvoll gegenüber der Person erfüllt, die vor ihm stand.
Freundlichkeit ist eine Fähigkeit, die man üben kann – und die uns spüren lässt, Teil von etwas Größerem zu sein.