Du verpasst nichts

Ein langes Wochenende am See. Ein Bungalow auf einem Campingplatz mit Strom und Kühlschrank. Wir drei und unsere Freunde. Das Handy war immer weit weg und wurde vergessen.


Abzuschalten und im Hier und Jetzt zu leben, bringt nur Gutes. Ohne Social Media verpasst man absolut nichts.


Das Leben ist das, was du daraus machst.

Der Bodensee heute Morgen

Ohne Make-up

In ihrem neuesten Buch „All the way to the River“ erzählt Elizabeth Gilbert, dass sie seit dem Tod ihrer Lebensgefährtin beschlossen hat, sich nicht mehr zu schminken. Eine bewusste Entscheidung, um sich von der Sklaverei zu befreien, perfekt sein zu müssen – ein Ideal, das die Gesellschaft uns Frauen aufzwingt.

Während meiner Schwangerschaft habe ich viel darüber nachgedacht, welches Frauenbild ich meiner Tochter vorleben möchte. Und ich bin zum gleichen Schluss gekommen. Seit nun fast eineinhalb Jahren trage ich kein Make-up mehr. Das heißt nicht, dass ich mich nicht pflege. Es bedeutet nur, dass ich keine Produkte mehr verwende, die mein Aussehen verändern.

Warum sollte ich mein Bild täuschen, nur um Stereotypen zu entsprechen, die mir die Gesellschaft aufdrängt – und in denen ich mich nicht wiederfinde?

Wenn ich unterwegs bin, sehe ich junge Frauen, die sich in diesem gesellschaftlichen Zwang verlieren, und ich kann es nicht fassen. Make-up soll die kleinen Unvollkommenheiten verdecken, die uns doch erst menschlich machen. Gerade unsere Menschlichkeit ist es aber, die wir am meisten wertschätzen sollten.

Frag dich: Warum schminke ich mich? Und wenn dir die Antwort nicht gefällt, dann denk daran – es ist nie zu spät, seine Gewohnheiten zu ändern.

Ein Selfie von mir kurz bevor ich angefangen habe, diesen Post zu schreiben: Ohne Make-up und ohne Täuschung.

Teilen

„Teilen“ war eines der ersten Verben, die ich Dominik auf Italienisch beigebracht habe. Er, der als Einzelkind alles für sich allein hatte, hat während unserer Beziehung so viele Momente und Dinge mit mir geteilt.


In letzter Zeit teile ich etwas, von dem ich dachte, es würde nur mich interessieren: mein Meditationskissen.


Seit unsere Tochter selbstständig sitzen und sich wieder aufrichten kann, hat mein Meditationskissen eine neue Bestimmung gefunden. Es ist zu einer Leseecke geworden. Unsere Tochter wählt ein Buch vom Regal aus, trägt es durch das ganze Zimmer, setzt sich auf das Meditationskissen und wartet darauf, dass ich ihr den Inhalt vorlese. Dieses Ritual wiederholen wir viele Male über den Tag verteilt. Das Lesen ist ihre große Leidenschaft, und ich freue mich, dass sie sich auf meinem Kissen – das jetzt auch ein bisschen ihr eigenes ist – wohlfühlt.


Wenn ein neues Leben in dein Leben kommt, verändert es dessen Bedeutung – und aus diesem neuen Zusammenspiel entsteht immer etwas Einzigartiges.

Unser Meditationskissen

Wie kann ich helfen?

Gestern ist es mir wieder passiert: Das Leben hat mir genau das vor Augen geführt, was ich brauchte.

Ich stand an der Selbstbedienungskasse im Supermarkt, als mich das Gespräch eines Angestellten mit einer Kundin vom Einpacken ablenkte.

Es war ein junger Mann, wahrscheinlich ein Student, der sich in seinem Nebenjob als Verkäufer im Supermarkt von Weil der Stadt etwas dazuverdient. „Wie kann ich helfen?“ fragte er freundlich eine ältere Dame, die – um die Schlange zu vermeiden – sich vermutlich zum ersten Mal an der Selbstbedienungskasse versuchte. Eine einfache, höfliche Frage, die einen Gedanken ausdrückte, der mir sehr am Herzen liegt. Eine Frage, die viele andere impliziert: „Wie kann ich anderen behilflich sein?“ „Wie kann ich mit meinen Handlungen etwas Positives in der Gesellschaft beitragen?“ „Wie kann ich meine Arbeit so ausführen, dass ich freundlich und fürsorglich gegenüber anderen bin?“

Ich glaube, dass das Leben einen anderen Geschmack hat, wenn unsere Handlungen nicht darauf abzielen, unser Ego zu befriedigen. Wenn wir bescheiden genug sind, um andere zu dienen, werden wir in dem, was wir tun, einen größeren Sinn erkennen. Wenn wir in der Lage sind, uns selbst zurückzunehmen – indem wir uns nicht an die erste Stelle setzen – werden wir spüren, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind.

Dieser junge Mann im Supermarkt hat genau das getan: Er hat sich zur Verfügung gestellt und seine Aufgabe freundlich und respektvoll gegenüber der Person erfüllt, die vor ihm stand.

Freundlichkeit ist eine Fähigkeit, die man üben kann – und die uns spüren lässt, Teil von etwas Größerem zu sein.

SPRICH DARÜBER MIT JEMANDEM

Ich höre gerade Elizabeth Gilberts neues Buch „All the way to the river“ und bin wirklich gefesselt. Die Geschichte ist herzzerreißend, echt und voller Leben. Die Autorin öffnet sich ihren Leser:innen gegenüber mit Mut und Authentizität. Sie behandelt das Thema Abhängigkeit – sei es in der Liebe oder von Suchtmitteln – direkt und ohne Vorurteile. Noch nie habe ich jemanden so offen darüber sprechen hören.

Ich teile Elizabeth Gilberts Überzeugung: Wenn dich etwas so sehr belastet, dass du deine innere Ruhe verlierst, ist das Beste, was du tun kannst, darüber zu sprechen. Sich mit einem Freund oder einer Freundin zu öffnen, kann dich retten. Deine Gedanken und Sorgen laut auszusprechen und sie mit einer vertrauten Person zu teilen, wird dir helfen, die Last zu erleichtern.

Behalte nicht alles für dich – sonst grübelst du nur. Erzähle von dem, was dich beschäftigt. Vielleicht findest du bei deinem Zuhörer nicht die Lösung, aber bestimmt jemanden, auf den du dich verlassen kannst, um gemeinsam den Weg bis zur nächsten Etappe zu gehen.

Wir sind alle Blumen desselben Gartens.

Zeig dich

„Ich bin nicht besonders, ich mache mich besonders“ – dieser Satz einer spanischen Dame hat mich in einer sehr schwierigen Phase meines Lebens erreicht. Er ist mir im Gedächtnis geblieben.


Vielleicht lag es am mentalen Prozess, den ich während der Elternzeit durchlebt habe: Jetzt, dass ich wieder arbeite, spüre ich viel mehr Mut und Entschlossenheit als früher. Während meiner Elternzeit hatte ich viel Zeit, darüber nachzudenken, was ich als Erwachsene tun möchte. Da ich dieses Jahr vierzig werde, habe ich keine Ausreden mehr.


Schreiben ist das, was ich tun möchte.

Ich habe einen Blog über Achtsamkeit im Intranet meines Unternehmens gegründet. Diese Praxis hat mein Leben verändert, und eines meiner großen Ziele ist es, das, was ich gelernt habe, weiterzugeben.

Über Achtsamkeit zu schreiben ist für mich eine wichtige Aufgabe, auf die ich mich gut vorbereitet fühle. In den letzten elf Jahren habe ich mein Wissen über dieses Thema vertieft und möchte es meinen Kollegen zur Verfügung stellen. Der Blog heißt Your Mindful Moment at Work, und bisher erhalte ich sehr positive Rückmeldungen.

Ich glaube, dass bei jedem von uns dieser Moment kommt, in dem man Mut fasst, von der Bank aufsteht und aufs Spielfeld geht, um seine Stärken zu zeigen. Man sollte nie Angst haben, sich zu zeigen.

Heike

Heike hat mich im ersten Lebensjahr unserer Tochter begleitet. Sie ist zertifizierte PEKiP-Kursleiterin und bietet ein Programm an, das Eltern und ihre Babys im ersten Lebensjahr begleitet. Dieses Programm wurde in den 1970er-Jahren vom Pädagogen Jaroslav Koch in Prag entwickelt und ist in Deutschland sowie anderen europäischen Ländern verbreitet. In Italien, glaube ich, ist es noch nicht sehr bekannt.

Zusammen mit sieben anderen Müttern – manchmal auch Vätern – und unseren Babys hat sie einmal wöchentlich ein Treffen moderiert. Sie ließ unsere Kinder sensorische und motorische Aktivitäten ausprobieren, wie Spiele und Lieder, die die Entwicklung der Kinder fördern sollten. Ziel der PEKiP-Treffen war es, dass die Babys lernen, mit ihrem Körper, ihren Eltern und der Umgebung zu interagieren. Heike bot uns zudem einen Raum, um uns als Eltern über Themen wie Stillen, Schlaf, Beikosteinführung und Entwicklung auszutauschen.

Sie schuf eine herzliche Gruppenatmosphäre, in der sich alle Teilnehmer:innen mit ihren Babys sofort wohlfühlten. Einige der Lieder, die ich von ihr gelernt habe, verwende ich noch heute, um meine Tochter zu beruhigen oder zu beschäftigen – mittlerweile nimmt sie aktiv teil, indem sie mitsingt oder die passenden Gesten macht.

Was mir besonders geholfen hat, war, eine Person an meiner Seite zu haben, mit der ich mein erstes Jahr als Mutter teilen konnte. Außerdem tat es mir gut, einen festen wöchentlichen Termin zu haben, der mir Struktur gab. Von Anfang an habe ich gespürt, dass ich bei Heike ich selbst sein durfte – das ist eine ihrer schönsten Qualitäten. Ich bin dankbar, dass ich an ihrem Kurs teilnehmen durfte, und empfehle ihn gerne allen neuen Müttern in und um Weil der Stadt.

Talk it out

Eine wirksame Methode, wenn der Kopf von Gedanken überflutet ist, ist es, jemandem darüber zu erzählen. Das hilft, um die Gedanken zu sortieren.

Diese Praxis heißt auf Englisch „Talk it out“ und ermutigt dazu, sich seine Sorgen von der Seele zu reden, indem man sich mit jemandem austauscht. Allein der Akt, sich einer vertrauten Person zu öffnen und von dem zu erzählen, was einen beschäftigt, kann helfen, die Last zu teilen.

Wenn du Schwierigkeiten hast, deine Gefühle zu verarbeiten, versuche, sie mit einer dir nahestehenden Person zu teilen. Du wirst sehen: Indem du sie aussprichst, verlieren sie an Gewicht, und der Austausch mit dieser Person kann dich weiterbringen. Eine geteilte emotionale Last ist leichter.

Gefühle müssen nicht zwangsläufig ihrem Lauf in unserem Kopf folgen. Man kann sie wie den Lauf eines Flusses lenken. Wenn du sie teilst, werden sie leichter.

Über junge und alte Promoterinnen

Von 2005 bis 2008 habe ich neben meinem Studium als Promoterin in Supermärkten gearbeitet, um meine Eltern nicht zusätzlich zu belasten, die mir bereits mein Studium finanzierten. Es war ein Wochenendjob, der sich gut mit meinem Vorlesungsplan vereinbaren ließ. Meine Schwester, die in einer Werbeagentur arbeitete und Marketingaktionen für Unternehmen koordinierte, hatte mir den Job vorgeschlagen.

Ich habe die Arbeit mit Würde und Freude erledigt, denn schon damals war ich überzeugt: Jede Tätigkeit, die man mit Leidenschaft ausübt, ist ein Grund zum Stolz. Am häufigsten war ich im Esselunga-Supermarkt in der Via Lorenteggio in Mailand im Einsatz – ich glaube, der gibt es heute noch.

Gestern Morgen war ich im E-Center in Weil der Stadt einkaufen, und eine ältere Dame bewarb dort Marmeladen. Sie hatte einen Stand mit Brotscheiben, auf denen verschiedene Marmeladensorten zum Probieren bereitlagen. Sie fragte mich, ob ich eine kosten wollte, und ich nahm ihr Angebot gerne an.

Diese Begegnung hat mich nicht nur an meine eigene Zeit als Promoterin erinnert, sondern auch zum Nachdenken angeregt – über einen Punkt, der oft übersehen wird, wenn über die wirtschaftliche Stärke Deutschlands gesprochen wird. Die Grundrente hier ist nämlich bei Weitem nicht mit der italienischen vergleichbar, sondern deutlich niedriger. Viele Senioren, die vielleicht ihr Leben lang keine hochqualifizierten Jobs hatten, müssen jeden Cent umdrehen. Oft sind sie gezwungen, trotz Rente weiterzuarbeiten. Doch das hat auch einen Vorteil: Durch die längere Berufstätigkeit bleiben ältere Menschen körperlich und geistig aktiv.

Daher gilt dieser Dame im Supermarkt mein ganzer Respekt und meine Sympathie.

Der Supermarkt in Weil der Stadt

Vorlesen

„Der Museumsmörder“ von Earlene Flower war das erste Buch, das ich Dominik vorgelesen habe. Das erste einer langen Reihe. Wir hatten es an einem Samstagabend zufällig in einer dieser typischen Stuttgarter Kisten mit der Aufschrift „Zum Verschenken“ gefunden.

Es war 2016, und ich hatte gerade angefangen, in einem Job zu arbeiten, in dem ich nur noch Deutsch sprach – ohne Italienisch. Ich fühlte mich unsicher beim Lesen und Präsentieren auf Deutsch. Laut Vorlesen eines unbekannten Textes schien mir eine gute Übung.

So begann ein neues, gemeinsames Hobby für Dominik und mich, und wir waren sofort begeistert. Ich war seine Audible-Sprecherin mit italienischem Akzent, und er war mein mehr oder weniger aufmerksames Publikum. Manchmal schlief er beim Klang „meiner schönen Stimme“ ein, und ich musste das Kapitel noch einmal vorlesen.

Auch heute, zehn Jahre später, lesen wir noch gemeinsam Bücher. Unser Lieblingsgenre ist der Thriller. Den letzten Roman haben wir vergangenen Samstag fertig gelesen.

Als ich diese Woche Arthur C. Brooks, einen meiner Lieblings-Wissenschaftsvermittler, in einem Interview darüber sprechen hörte, wie gut gemeinsames Lesen für eine Beziehung ist, konnte ich nur zustimmen.

Es ist ein schönes Hobby, weil es das Gehirn durch die Kraft der Vorstellungskraft anregt und man über die Geschichte und die Entscheidungen des Autors diskutieren kann. Ich kann es nur empfehlen!

Unser erstes gemeinsames Buch