Vorlesen

„Der Museumsmörder“ von Earlene Flower war das erste Buch, das ich Dominik vorgelesen habe. Das erste einer langen Reihe. Wir hatten es an einem Samstagabend zufällig in einer dieser typischen Stuttgarter Kisten mit der Aufschrift „Zum Verschenken“ gefunden.

Es war 2016, und ich hatte gerade angefangen, in einem Job zu arbeiten, in dem ich nur noch Deutsch sprach – ohne Italienisch. Ich fühlte mich unsicher beim Lesen und Präsentieren auf Deutsch. Laut Vorlesen eines unbekannten Textes schien mir eine gute Übung.

So begann ein neues, gemeinsames Hobby für Dominik und mich, und wir waren sofort begeistert. Ich war seine Audible-Sprecherin mit italienischem Akzent, und er war mein mehr oder weniger aufmerksames Publikum. Manchmal schlief er beim Klang „meiner schönen Stimme“ ein, und ich musste das Kapitel noch einmal vorlesen.

Auch heute, zehn Jahre später, lesen wir noch gemeinsam Bücher. Unser Lieblingsgenre ist der Thriller. Den letzten Roman haben wir vergangenen Samstag fertig gelesen.

Als ich diese Woche Arthur C. Brooks, einen meiner Lieblings-Wissenschaftsvermittler, in einem Interview darüber sprechen hörte, wie gut gemeinsames Lesen für eine Beziehung ist, konnte ich nur zustimmen.

Es ist ein schönes Hobby, weil es das Gehirn durch die Kraft der Vorstellungskraft anregt und man über die Geschichte und die Entscheidungen des Autors diskutieren kann. Ich kann es nur empfehlen!

Unser erstes gemeinsames Buch

HÖRE AUF DEINEN KÖRPER

Vor einigen Jahren gab mir eine Kollegin ein sehr interessantes Feedback. Sie sagte mir, dass ich dazu neige, mich immer den Vorlieben anderer anzupassen, ohne mir oft genug die Frage zu stellen: „Was brauche ich eigentlich?“

Ich erkannte sofort einen Funken Wahrheit in ihren Worten und begann, mein Verhalten zu beobachten. Tatsächlich war es so: Damals passte ich mich zu oft an, statt auf das zu achten, was ich selbst brauchte. Ich begann daran zu arbeiten und meine Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen, indem ich versuchte, sie in den Vordergrund zu stellen.

Mit der Schwangerschaft und der Mutterschaft habe ich diese Fähigkeit noch weiter verfeinert. Mir wurde klar, dass ich, um gut zu funktionieren, auf meinen Körper hören muss und meine eigenen Bedürfnisse erfüllen sollte. Nur so kann ich der Elternteil sein, der – indem er sich selbst respektiert – im Familienleben ausgeglichen agieren kann.

Ich glaube, dass das Lernen, auf den eigenen Körper zu hören und entsprechend zu handeln, eines der Geheimnisse des Erwachsenenlebens ist – um es wie Gretchen Rubin zu sagen. Es ist entscheidend, sich daran zu erinnern, dass unsere erste Prioritàt und die einzige Person, über die wir Kontrolle haben, wir selbst sind.

Und hörst du genug auf deinen Körper?

Pflege dich wie eine Pflanze.

Kleine Schritte

Manchmal stellt uns das Leben vor unerwartete Situationen, die uns auf den ersten Blick unüberwindbar erscheinen. Wenn das passiert, ist es entscheidend, nicht gelähmt zu reagieren und somit nicht in einen Zustand der körperlichen und geistigen Starre zu verfallen.

Eine bewährte Strategie ist es, „den Elefanten in kleine Stücke zu schneiden“ und sich auf die kleinen Schritte zu konzentrieren, die wir sofort unternehmen können. So gelangen wir in einen Flow-Zustand, der uns das Gefühl gibt, die Zügel unseres Lebens fest in der Hand zu halten.

Hindernisse können eine Herausforderung darstellen und sind immer eine wichtige Prüfung. Indem wir uns damit konfrontieren, lernen wir uns selbst besser kennen und verstehen unseren Charakter.

Sich nicht gehen lassen, sondern motiviert und aktiv zu bleiben, ermöglicht es uns, auf unserem Weg weiterzugehen und jede Schwierigkeit zu überwinden.

Eine positive Grundhaltung kann ebenfalls vom Vorteil sein. Das Erkennen und Wertschätzen der schönen Momente, die unseren Alltag prägen, kann eine große Unterstützung darstellen. Dankbarkeit zu praktizieren, ist immer eine gute Idee – nicht nur in schwierigen Phasen.

Falls du gerade eine schwere Zeit durchmachst: Verzweifle nicht. Denk an alles, was du hast, und konzentriere dich auf den ersten kleinen Schritt, den du unternehmen kannst. Die nächsten werden von allein folgen, und die Verwirrung in deinem Geist wird vergehen.

Dein Weg kann voller schwieriger Kurven sein. Verliere nie deinen Schwerpunkt und konzentriere dich auf den nächsten kleinen Schritt.

ES IST NIE ZU SPÄT, UM DEN KURS ZU KORRIGIEREN

Seit ich nach der Elternzeit wieder arbeite, fällt es mir schwer, meine Kräfte einzuteilen und ein neues Gleichgewicht zwischen den vielen Aufgaben zu finden. Mir ist auch aufgefallen, dass ich meine Prioritäten falsch gesetzt habe: Ich habe Aktivitäten vernachlässigt, die mich immer unterstützt haben – wie Sport und Meditation. Dadurch bin ich aus dem Gleichgewicht geraten. An manchen Tagen habe ich mich sogar so verhalten, dass ich mich selbst in meinen Handlungen oder Worten nicht wiedererkannt habe.

Ich habe schon immer eine gute Fähigkeit zur Selbstreflexion gehabt und habe schnell gemerkt, dass ich auf dem falschen Weg war. Ich hatte zwei Möglichkeiten: weitermachen wie bisher oder den Kurs korrigieren. Ich habe mich für die zweite Option entschieden.

Wenn wir merken, dass wir Verhaltensweisen entwickelt haben, die uns nicht glücklich machen, ist es nie zu spät, etwas daran zu ändern. Wichtig ist, es nicht zu vertagen, sondern sofort zu beginnen, so zu handeln, wie wir uns fühlen möchten – also so, wie es zu uns besser passt. Wir sollten nicht sagen: ‚Ab morgen ändere ich alles!‘, sondern heute damit anfangen – mit kleinen Schritten, die in die richtige Richtung gehen. Das wird uns besser fühlen lassen und es trainiert unser Gehirn darauf, das zu machen, was für uns richtig ist.

Es ist nie zu spät, den Kurs zu korrigieren, denn was uns heute ausmacht und in dem wir uns nicht wiedererkennen, können wir durch eine bessere Version von uns ersetzen. Wir müssen nur bereit sein, die nötige Arbeit zu machen – und keine Angst davor haben.

Pflege deine Gedanken wie ein Garten

Das Schöne bemerken

Hey du, ich weiß, dass du manchmal mit gesenktem Blick aufs Smartphone durch die Straße läufst und Kopfhörer trägst, um der Stille deines Lebens nicht zu begegnen. Doch so riskierst du, das Wichtigste zu verpassen. Halte einen Moment inne: Hast du dich heute schon umgesehen? Sind dir die Blumen aufgefallen, die im Garten des Nachbarhauses blühen? Hast du angehalten, um sie zu riechen? Nein?! Und warum nicht?!

Die Schönheit umgibt dich – es liegt an dir, sie bewusst wahrzunehmen.

Das Schöne ist überall, es ist deine Aufgabe es wahrzunehmen

Familienzimmer

Ich schreibe nicht oft über meine Rolle als Mutter, aber es gibt eine Sache, die ich hier teilen möchte, weil sie den Beginn unseres Lebens als Eltern erleichtert hat.

In Deutschland besteht – sofern verfügbar – die Möglichkeit, im Krankenhaus ein Familienzimmer für die Zeit nach der Geburt zu beantragen. Für uns war das möglich und wir waren sehr dankbar dafür. Ich musste mich nicht alleine um die Neugeborene kümmern und ihr Papa konnte von Anfang an eine starke Bindung zu ihr aufbauen. Meiner Meinung nach haben wir so leichter unsere Dynamik als Familie gefunden.

Es gab auch lustige Momente: Als frischgebackene Mama wurde ich von der Krankenhausküche wie eine Königin behandelt, um meinen Körper beim Stillen zu unterstützen – während Dominik nur das vegetarische Menü bekam und neidisch auf meinen Muffin auf dem Tablett blickte.

Für mich war dieses Familienzimmer ein echter Game-Changer. Wir konnten uns organisieren und ausruhen, wie wir wollten, ohne die Bedürfnisse anderer beachten zu müssen.

Natürlich ist das nicht immer möglich und es kostet einen Aufpreis – aber meiner Meinung nach lohnt es sich.

Ich schreibe darüber, weil ich es wichtig finde, zu zeigen, was hier gut funktioniert, um Verbesserungen anderswo anzuregen.

Bild: Mistral AI

Neugierde

Wenn es eine Sache gibt, die mich auszeichnet, dann ist es meine Neugierde.

Schon als Kind war ich immer sehr interessiert. Ich bemerke jede Veränderung. Ich glaube, es ist dieser Neugier zu verdanken, dass ich so bin, wie ich bin. Interesse an dem zu zeigen, was mich umgibt, und an dem, was das Leben der Menschen prägt, die meinen Weg kreuzen, ist eine Eigenschaft, auf die ich sehr stolz bin.

Doch diese Charaktereigenschaft wurde diese Woche Opfer eines epischen Aprilscherzes meiner Kollegen an meinem ersten Arbeitstag nach meiner Elternzeit. Sie ließen mich glauben, dass zwei Kollegen nicht nur in meiner Abwesenheit eine Beziehung begonnen hätten, sondern sogar vor ein paar Tagen geheiratet hätten. Er hatte ihren Nachnamen angenommen, sein Namensschild und sein Badge zeigten diese Namensänderung. Auf seinem Schreibtisch lag ein Foto ihrer Hochzeit – natürlich mit KI erstellt. Alles wirkte so echt, und ich habe an der Geschichte geglaubt, ahnungslos und naiv, dass mein erster Arbeitstag der 1. April war.

Es war aber alles sehr lustig, und ich habe gerne die Rolle des Clowns gespielt. Dieser Streich wird in die Geschichtsbücher eingehen.

Meine Kollegen sind auch nette Menschen 😂

Die acht Tage, die mein Leben veränderten

„Welche Antwort möchten Sie bekommen?“
„Eine positive!“, antwortete ich spontan.
„Das kriegen Sie“, sagte der Mann, der später mein Chef bei 1&1 werden sollte.
Mein Herz klopfte: Ich konnte es kaum glauben.

Dieses Gespräch gab meinem Leben eine Wendung. Innerhalb von acht Tagen suchte ich ein Zimmer zum Wohnen, organisierte meinen Umzug und alle notwendigen Unterlagen, um in Deutschland zu arbeiten. In denselben acht Tagen lernte meine Mutter, einen Computer einzuschalten und sich bei Skype anzumelden, um mit mir in Kontakt bleiben zu können.

Diese Woche erzählte ich diese Geschichte einer Dame, die Italienisch lernt und sich auch im Eine-Welt-Laden in Weil der Stadt engagiert.

Beim Sprechen wurde mir bewusst, wie mutig dieser Sprung ins Ungewisse war. Damals hatte ich jedoch keine Zeit, darüber nachzudenken. Ich war damit beschäftigt, dem Fluss meines Lebens zu folgen, ohne mir zu viele Fragen zu stellen.
Mein Motto war: „Ich will nicht mit 40 dastehen und mich fragen, wie es gewesen wäre, wenn ich es versucht hätte.“ Und in diesem Jahr werde ich 40! Heute bin ich sehr stolz auf den Schritt, den ich gewagt habe. Seit 2012 habe ich viel erlebt und mein Weg war nicht immer einfach. Doch diese Entscheidung hat mich zu der Person gemacht, die ich immer sein wollte.
Die Dame, der ich meine Geschichte erzählte, sagte, sie sei beeindruckt von meiner Willenskraft. Das hat mich sehr gefreut.

Es erfordert Mut, die vertraute Umgebung und Familie und Freunde zu verlassen – und noch mehr Mut ist notwendig, um an der Entscheidung festzuhalten, wenn das Leben schwierig wird. Doch das ist der einzige Weg, um sich zu entfalten.

Ich in einer Brauerei in Karlsruhe während der Europameisterschaft in 2012

Sei mutig

Diese Woche, als ich durch die Straßen der Innenstadt von Weil der Stadt spazierte, konnte ich eine interessante Szene beobachten. Zwei kleine Mädchen rannten und machten einen Hindernislauf. Irgendwann sprang das erste der beiden zwischen zwei Brettern, während das zweite blieb unsicher am Rand des ersten Bretts stehen. Sie ging zurück, versuchte erneut Anlauf zu nehmen, und blieb wieder stehen. Da machte die andere ihr Mut: „Spring einfach, denk nicht nach, Lara! Spring einfach! Du schaffst das!“. Doch als sie bemerkte, dass ihre Freundin weiterhin zögerte, schlug sie vor, die Runde von vorne zu beginnen. Als sie jedoch wieder zum ersten Brett ankamen, blieb Lara erneut stehen. Ich setzte meinen Spaziergang fort und weiß nicht, wie die Geschichte ausgegangen ist.

Diese scheinbar einfache Szene ließ mich darüber nachdenken, wie oft wir von unserem Verstand gefangen sind. Unser Kopf sieht Gefahren, die nicht immer real sind, und bremst uns. Doch nur, wenn wir diese Blockade überwinden, haben wir die Chance zu wachsen. Indem wir unseren Verstand herausfordern und ihm zeigen, dass wir die Grenzen, die er uns setzen will, überwinden können, gelingt es uns, uns zu befreien und zu einer mutigen Person zu werden.

Das ist eine Fähigkeit, die wir üben müssen und die uns hilft, das Vertrauen in uns selbst zu stärken.

Ich hoffe, Lara hat die Kraft gefunden, zu springen – indem sie für einen Moment nicht auf ihren Kopf hörte und sich dem Leben anvertraute.

Das ist der Platz, wo die Mädchen liefen

Schau dich um und biete deine Hilfe an

„Brauchen Sie Hilfe?“, fragte mich gestern ein Junge, als er sah, wie ich mich bemühte, den Kinderwagen meiner Tochter durch die Eingangstür einer öffentlichen Toilette zu schieben. Kaum hatte er die Frage gestellt, schaffte ich es jedoch, die Schwelle zu überwinden und den Eingang zu erreichen.

Dieser Junge hat – vielleicht ohne es zu merken – etwas sehr Schönes getan: Er hat seine Umgebung beobachtet und versucht, sie für die Menschen um ihn herum einfacher zu gestalten. Das ist eine Eigenschaft, die jeder von uns öfter praktizieren sollte.

Wie oft laufen wir mit dem Blick auf das Handy oder grenzen uns mit Kopfhörern aus? Dabei verpassen wir alles, was live um uns herum passiert.

Ich lade dich ein, in der kommenden Woche achtsam zu gehen, dich umzuschauen und es diesem Jungen gleichzutun – indem du dich in deiner Gemeinde engagierst. Ich bin überzeugt, dass du dadurch bereichert wirst. Es lohnt sich, es zu versuchen, oder?

Die öffentliche Toilette am Carlo-Schmid-Platz