Dieselbe Übung jeden Tag

Seit nun zwei Monaten übe ich jeden Tag denselben Yoga-Flow. Er heißt Energized, dauert zwanzig Minuten und hilft mir, meine Energie gut zu kanalisieren. Unter der Woche praktiziere ich nach der Arbeit und bevor ich meine Tochter aus der Kita abhole. Am Wochenende mache ich es morgens mit ihr, gleich nach dem Aufstehen. Meine Tochter kann es kaum erwarten, bis ich die Matte ausrolle, um mich beim Bewegen zu beobachten, und ermutigt mich, anzufangen, indem sie ruft: „Yoga, Yoga!“

Was habe ich aus dieser scheinbar repetitiven Praxis gelernt?

  • Jeder Tag ist anders – genau wie meine Konzentration. Manchmal beschäftigen mich Gedanken, doch wenn ich mich auf die Bewegung und den Atem konzentriere, hilft mir das, um mich zu zentrieren.
  • Die tägliche Wiederholung derselben Abfolge ist für mich zu einem Ritual geworden, das mir hilft, gut zu funktionieren. Erst wenn ich sie abgeschlossen habe, fühle ich mich präsenter in meinem Tag.
  • Obwohl ich die Sequenz in- und auswendig kenne, entdecke ich jeden Tag ein neues Detail. Es gibt immer eine Kleinigkeit, die mich während des Trainings überrascht.
  • Diese zwanzig Minuten sind für mich wie ein Atemzug frischer Luft geworden: ein Moment nur für mich, in dem ich etwas tue, das mir guttut und mir Gelassenheit schenkt.
  • Sobald ich die Abfolge beendet habe, fühle ich mich immer besser – und manchmal ist genau das der Grund, warum ich überhaupt anfange.

Man kann immer Ausreden finden, um sich nicht zu bewegen – besonders als Mutter, wenn der Tag von den vielen Aufgaben für die Familie geprägt ist. Doch ich glaube, dass es hilft, sich regelmäßig Zeit für Sport zu nehmen, um besser zu funktionieren. Man stellt sich selbst an die erste Stelle, denn nur wenn es uns gut geht, können wir auch wirklich für andere da sein.

Gleichgewicht

„Ich meditiere für mich, um mein psychisches Gleichgewicht und meine körperliche Gesundheit zu bewahren“ – mit dieser Aussage beende ich täglich meine Meditationssitzung in der Calm-App.

Seit 2015 meditiere ich regelmäßig. Manchmal lasse ich zwar einen Tag aus, aber meistens finde ich 10–15 Minuten, um mich hinzusetzen und geführte Atemübungen zu machen.
Die Meditation ist eine meiner tragenden Säulen: Sie hat mir, besonders in schwierigen Zeiten, geholfen, mein Gleichgewicht zu bewahren.

Ich habe gelernt, dass Selbstfürsorge bedeutet, sich jeden Tag Zeit für Aktivitäten zu nehmen, die uns guttun. Für mich ist Meditation definitiv eine davon.

Durch die Konzentration auf meinen Atem kehre ich zurück ins Hier und Jetzt, wo nichts wichtiger ist als mein ruhiger und entspannter Geist. Ich beobachte, wie meine Gedanken wie Wolken am Himmel vorbeiziehen. Ich versuche nicht, ihnen zu folgen, denn sie sind nicht wichtig. Was zählt, ist: Ich bin da, atme ein und aus. Ich habe den Weg zu meinem Meditationskissen gefunden und gönne mir einen Moment der Ruhe.

Ist das nicht letztlich das, was wir alle wollen, dass wir uns in unserem Leben wohl und ruhig fühlen?

Mein neues Meditationskissen: Das haben mir meine besten Freundinnen zum 40. Geburtstag geschenkt.

Geh zu Fuss einkaufen

Es gibt eine Folge des Podcasts Educare con calma von Carlotta Cerri, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Darin wird ihre Schwester Cristiana interviewt, eine Expertin für Nachhaltigkeit.

In dieser Folge empfiehlt Cristiana Cerri, mindestens einmal pro Woche zu Fuß einzukaufen. Man kann zum Supermarkt, zum Bioladen oder zum Wochenmarkt gehen – einfach ohne Auto. Es ist eine kleine Geste mit großer ökologischer Wirkung.

Als ich in Stuttgart lebte, bin ich ausschließlich zu Fuß einkaufen gegangen. Mit Rucksack und Stoffbeuteln ausgestattet sagte ich beim Heimkommen scherzhaft: „Der Lastesel ist zurück!“. Auch bei der Wahl unseres Hauses in Weil der Stadt war für mich die fußläufige Erreichbarkeit von Infrastruktur wie Supermarkt und Bäckerei ein wichtiges Kriterium.

Ich glaube, wenn wir für Strecken, die wir aus Bequemlichkeit mit dem Auto fahren würden, öfter zu Fuß gehen oder Rad fahren würden, könnten wir ohne große Anstrengung einen positiven Beitrag zum Umweltschutz leisten. Gleichzeitig würden wir direkt von der Bewegung profitieren.

Ich gestern auf dem Rückweg vom Einkaufen zu Fuss

Schaffe Raum in deinen Freundschaften

Eines der schönsten Merkmale einer Freundschaft ist, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem man sich öffnen kann.

Gerade in schwierigen Situationen ist es eine große Erleichterung zu wissen, dass man Freunde hat, die einem den nötigen Raum lassen, um sich frei zu unterhalten. Sprechen zu können, während man die ungeteilte Aufmerksamkeit des Gegenübers genießt, vermittelt uns ein positives Gefühl.

Wenn man in schwierigen Gewässern navigiert, die Last unseres Boots zu teilen, macht uns nicht nur leichter, sondern auch freier in unserem Handlungsspielraum.

Eine Freundschaft, in der man selbst unter schwierigen Bedingungen blühen kann, sollte man festhalten.

In der Freundschaft lass diejenigen blühen, die an deiner Seite stehen.

Ich lebe in meinem Kopf

Ich mag tiefergehende Gespräche – solche, in denen man über das eigene Leben philosophiert, über Entscheidungen, Motivationen und Gedanken. Das sind die Gespräche, in denen ich am meisten über die Person vor mir erfahre. Ich erzähle etwas über mich, öffne mich dabei und beobachte die Reaktion meines Gegenübers. An ihrer Reaktion lerne ich nicht nur etwas über diese Person, sondern auch über mich selbst.

Ich lebe viel in meinem Kopf, und manchmal ist es schön, die Türen zu öffnen und jemanden einzuladen, dem ich meine privatesten Gedanken anvertraue. Wenn ich das tue, dann weil ich meinem Gegenüber vertraue. Bestimmte Themen auszusprechen hilft mir, sie besser einzuordnen, indem ich Abstand gewinne.

Jeder Gedanke sollte nur vorübergend sein – und wenn er stattdessen lange in unserem Kopf bleibt, ist es nie falsch, darüber zu sprechen. Die eigenen Erfahrungen zu teilen bereichert die Freundschaft und bietet eine weitere Perspektive, von der aus man sie betrachten kann.

Das Schreiben als Heilmittel für den Geist

Ich höre gerade ein Buch einer amerikanischen Autorin, die ich sehr schätze: Kay Redfield Jamison. Das Buch heißt „Fires in the Dark: Healing the Unquiet Mind“ und behandelt die Frage, wie man von psychischen Erkrankungen heilen kann. Eine Methode, die Kay Redfield Jamison beschreibt, ist das Schreiben als Therapie – und ich kann ihr da nur zustimmen.

Seit nunmehr fünf Jahren schreibe ich jeden Morgen meine Gedanken in ein digitales Tagebuch. Ich schreibe weder, um es später zu lesen, noch für jemanden anderen. Ich schütte einfach alles aus, was mir in den ersten Stunden des Tages durch den Kopf geht. Oft schreibe ich darüber, wie ich die Nacht verbracht habe, und frage mich, wie ich mich fühle. Dabei versuche ich, so ehrlich wie möglich zu sein. Diese wenigen Zeilen, die für mich so wichtig geworden sind, haben keinen bestimmten Adressaten. Es ist der Moment am Tag, in dem ich in mich hineinhorche und mich mit meiner Seele verbinde.

Mein „Morgen-Tagebuch“, wie ich es genannt habe, war in all den Jahren eine große Stütze für mich. Ich glaube, dass ich in den letzten fünf Jahren mehr Fortschritte bei der Bewältigung meines unruhigen Geistes gemacht habe als je zuvor. Das tägliche Schreiben hat mir geholfen, wiederkehrende Muster zu erkennen, Veränderungen umzusetzen und in mir selbst die Kraft zu finden, weiterzumachen.

Etwas, das Kay Redfield Jamison schreibt, vermittelt Hoffnung: Es ist möglich, aus einer psychischen Erkrankung herauszufinden – aber es erfordert harte Arbeit an sich selbst. Diese Aufgabe anzugehen, ist unsere Verantwortung.

Definiere keinen Tag als negativ

Etwas, das ich im letzten Jahrzehnt gelernt habe, ist, keinen Tag als negativ zu bezeichnen. Der Grund dafür ist einfach: Man hat immer die Möglichkeit, ihn in eine positive Richtung zu lenken. Man muss nur den Fokus seiner Gedanken ändern.

Oft drehen wir uns in unseren negativen Gedanken im Kreis und bemitleiden uns selbst so sehr, dass es schwerfällt, einen Ausweg aus diesen Gefühlen zu finden. Wenn wir jedoch einen Schritt zurücktreten und die Situation objektiv betrachten, können wir lernen, das zu schätzen, was wir haben. Ja, vielleicht erleben wir einen schwierigen Tag, aber wenn wir uns auf das Positive in unserem Leben konzentrieren, werden wir uns sofort besser fühlen. Dieses positive Gefühl können wir zum Beispiel durch Dankbarkeit stärken.

Allein schon drei Dinge aufzuzählen, für die wir dankbar sind, kann in uns positive Gefühle auslösen. Es lenkt den Blick auf das, was in unserem Leben gut funktioniert, und reduziert die Aufmerksamkeit für negative Gedanken. So fühlen wir uns sofort besser – und vielleicht können wir sogar eine Aktivität ausüben, die dieses Gefühl verlängert. Und schon erweist sich ein schwieriger Tag als teilweise positiv – und das ist ein guter Ausgangspunkt für den nächsten Tag.

Inne halten und atmen

Freitag fühlte ich mich irgendwie unruhig. Es war mein freier Tag von der Arbeit. Normalerweise nutze ich die Zeit für Einkäufe und Haushalt. Nach dem Einkaufen habe ich das Bad geputzt und dann das Mittagessen vorbereitet. Beim Gemüse schneiden ist mir meine Unruhe bewusst geworden. Als ich mit Dominik darüber sprach, kamen wir zu dem Schluss, dass ich vielleicht eine Pause brauche. Nach dem Essen habe ich mich also auf das Sofa gelegt.

Wenn ich mir eine Pause gönne, habe ich oft ein schlechtes Gewissen. Ich weiß genau, woher das kommt und wie ich damit umgehen kann. Meine Strategie an diesem Freitag war zum Beispiel, mich auf den Atem zu konzentrieren, um meinen Geist zu beruhigen. Ich habe einen Timer auf vierzig Minuten gestellt und bin einfach nur daliegen geblieben – ohne Geräte, ohne Ablenkung. Nur ich und mein Atem. Auch wenn es mir schwerfiel, mir diese Pause zu gönnen, war dieser Moment für mich entscheidend. Er hat mich beruhigt.

Unser Alltag ist oft hektisch, daher ist es sehr wichtig, sich bewusst eine Pause zu nehmen. Sich Zeit zu nehmen, um runterzukommen – vom Kopf in den Körper zurückzufinden – kann unsere Stimmung verbessern.

Falls du gestresst bist und nicht weißt warum: Halte inne und atme.

Wenn ich laufe, dann laufe ich

Schon seit einiger Zeit denke ich über mein Verhältnis zum Smartphone nach. Falls du meinen Post von letzter Woche gelesen hast, ist dir das vielleicht aufgefallen. Mein Algorithmus weiß es wahrscheinlich auch – Instagram hat mir vor ein paar Tagen ein interessantes Video von einem meiner Lieblingsautoren zum Thema Technologie vorgeschlagen: Arthur C. Brooks. Hier der Link.

In letzter Zeit habe ich mich besonders darauf konzentriert, das Smartphone nicht zu benutzen, wenn ich unterwegs bin. Da ich weit weg von Familie und alten Freunden lebe, habe ich oft meine Freizeit an der frischen Luft genutzt, um Sprachnachrichten zu verschicken oder auf Textnachrichten zu antworten. Das hat einen besonders negativen Zug angenommen, als ich während der Elternzeit lange Spaziergänge mit dem Kinderwagen gemacht habe. Damals habe ich Podcasts oder Hörbücher mit dem Handy gehört, um mich zu unterhalten, während meine Tochter im Kinderwagen schlief. Dabei habe ich alles verpasst, was um mich herum geschah – ich war mit meinen Kopfhörern in meiner eigenen Blase. Ich gebe auch zu: Ich habe auch mehrere Blogposts geschrieben, während ich den Kinderwagen geschoben habe. Aber es war die einzige ruhige Zeit, die ich hatte.

Der Weckruf kam für mich, als ich in der Innenstadt von Weil der Stadt unterwegs war und auf zwei „Handyzombies“ traf: zwei etwa vierzehnjährige Freundinnen, die statt zu plaudern, einfach hintereinander herliefen und auf ihre Smartphone-Bildschirme starrten. Statt mit dem Finger auf sie zu zeigen, habe ich reflektiert – und gemerkt, dass ich nicht besser bin. Ich begann mich zu fragen, warum ich diese ständige Technologie-Nutzung brauchte, und kam zu dem Schluss, dass ich oft zum Smartphone griff, wenn ich nicht wusste, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte. Also fing ich an, meine Zeit besser zu planen. Jetzt habe ich so viele To-dos, dass ich mein Handy irgendwo liegen lasse und nicht mehr daran denke.

Ich laufe, wenn ich laufe. Ich sehe mich dabei um und höre den Klängen der Natur zu. Wenn ich mit meiner Tochter unterwegs bin, die mittlerweile im Kinderwagen kaum noch schläft, ist das Smartphone für mich tabu. Ich habe die Freude am Offline-Leben wiederentdeckt – und ich glaube, das ist erst der Anfang.

Natürlich schicke ich weiterhin Sprachnachrichten, schreibe für diesen Blog und in sozialen Medien. Aber ich mache das bewusst: Ich nehme mir Zeit, um mich nur darauf zu konzentrieren. Ich stopfe damit keine Lücken.

Dieser Post soll dich daran erinnern, dass das Leben jenseits eines Bildschirms stattfindet – und es wäre wirklich Schade, es zu verpassen.

Ein Blick von einem Turm, auf den ich in Friedrichshafen bewusst gestiegen bin.

Du verpasst nichts

Ein langes Wochenende am See. Ein Bungalow auf einem Campingplatz mit Strom und Kühlschrank. Wir drei und unsere Freunde. Das Handy war immer weit weg und wurde vergessen.


Abzuschalten und im Hier und Jetzt zu leben, bringt nur Gutes. Ohne Social Media verpasst man absolut nichts.


Das Leben ist das, was du daraus machst.

Der Bodensee heute Morgen