Schau dich um und biete deine Hilfe an

„Brauchen Sie Hilfe?“, fragte mich gestern ein Junge, als er sah, wie ich mich bemühte, den Kinderwagen meiner Tochter durch die Eingangstür einer öffentlichen Toilette zu schieben. Kaum hatte er die Frage gestellt, schaffte ich es jedoch, die Schwelle zu überwinden und den Eingang zu erreichen.

Dieser Junge hat – vielleicht ohne es zu merken – etwas sehr Schönes getan: Er hat seine Umgebung beobachtet und versucht, sie für die Menschen um ihn herum einfacher zu gestalten. Das ist eine Eigenschaft, die jeder von uns öfter praktizieren sollte.

Wie oft laufen wir mit dem Blick auf das Handy oder grenzen uns mit Kopfhörern aus? Dabei verpassen wir alles, was live um uns herum passiert.

Ich lade dich ein, in der kommenden Woche achtsam zu gehen, dich umzuschauen und es diesem Jungen gleichzutun – indem du dich in deiner Gemeinde engagierst. Ich bin überzeugt, dass du dadurch bereichert wirst. Es lohnt sich, es zu versuchen, oder?

Die öffentliche Toilette am Carlo-Schmid-Platz

Wie du mit dir selbst sprichst, zählt

Dein innerer Dialog hat große Macht, denn er kann deine Stimmung beeinflussen.

Ich habe viele Jahre damit verbracht, scharfe Kritik mit mir selbst zu üben. Schon als kleines Kind habe ich immer viel von mir verlangt, und wenn ich mich nicht so verhalten habe, wie ich es mir gewünscht hätte, war ich sehr streng in meinem Urteil.

Mit der Zeit und dank der Hilfe eines weisen griechischen Herrn – der in Wahrheit ein kognitiver Verhaltenstherapeut war – habe ich gelernt, sanfter zu mir selbst zu sein.

Wenn man sich mit dem Thema Achtsamkeit beschäftigt, stößt man oft auf die Frage: „Würdest du das auch zu einem Freund sagen, der sich in der gleichen Situation befindet?“ Die meisten Male antwortete ich mit Nein. Ich habe mich gefragt, woher diese Unnachgiebigkeit mir selbst gegenüber kommt. Die Schlussfolgerung meiner Analyse ist einfach: Unsere Gesellschaft basiert auf Leistung. Wenn du nichts leistest, bist du nichts – und das ergibt überhaupt keinen Sinn, wie ich mit der Zeit gelernt habe.

Ein guter Selbstdialog muss man Tag für Tag üben. Jeder von uns sollte sich bewusst machen, dass wir immer unser Bestes geben – mit den Mitteln und der Energie, die uns zur Verfügung stehen. Manchmal müssen wir uns erlauben, weniger zu tun, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Ich habe kürzlich gelesen, dass wir am Ende unseres Lebens nur zwei Menschen glücklich machen müssen: das Kind, das wir mit acht Jahren waren, und den alten Menschen, der wir mit achtzig sein werden. Dem Kind müssen wir zeigen, dass wir alles Mögliche getan haben, um seine Träume zu verwirklichen. Dem alten Menschen sollten wir schöne Erinnerungen schenken. Das ist alles.

Sei wie ein Fluss: Fließe, egal wie dein Weg aussieht.

Die Bedeutung, eine Aufgabe zu haben

Als ich 2015 arbeitslos war, waren die Montage für mich am schlimmsten. Ich war ohnehin schon etwas verloren, und eine Woche zu beginnen, ohne einen Arbeitsplatz zu haben, an den ich gehen konnte, machte alles noch schlimmer. Doch was mir wirklich fehlte, war nicht das Büro oder die Kollegen, sondern eine Aufgabe. Deshalb begann ich, mir jeden Abend vorzunehmen, was ich am nächsten Tag tun wollte. Einen Aktionsplan zu erstellen, rettete meine Tage.

Es ist wichtig, etwas zu tun zu haben, um das Leben dynamischer zu gestalten und sich als aktiver Teil der Gesellschaft zu fühlen. Wenn man eine Aufgabe hat, hat man automatisch einen Grund, morgens aufzustehen und die Ärmel hochzukrempeln.

Falls du nicht weißt, wo du anfangen sollst und dich überfordert fühlst, notiere dir, was du tun möchtest – beginnend mit den Dingen, die dir positive Gefühle geben. Zum Beispiel schrieb ich im Oktober 2024, bevor ich in den Mutterschutz ging, diese Liste in meine Notizen-App auf dem Smartphone. Ich wollte sicherstellen, dass ich einen sicheren Anker hatte, falls Negativität die Kontrolle über meine Stimmung übernehmen würde.

Eine positive Anmerkung: Es war nicht nötig.

Lass deine Gedanken und deinen Blick kreisen beim Gehen

Vor kurzem gab es eine Phase, in der ich beim Spazierengehen ständig etwas hören musste: ein Hörbuch, einen Podcast oder Musik. Ich brauchte immer Unterhaltung. Doch meine AirPods begannen, den Geist aufzugeben, und entluden sich mitten während meiner Spaziergänge. So war ich gezwungen, mich meinen Gedanken zu stellen und meine Umgebung bewusst wahrzunehmen. Ich fand das sehr spannend – es wurde sogar unterhaltsamer als alles, was ich zuvor gehört hatte.

In der Meditation spricht man vom Mindful Walking, vom achtsamen Gehen. Man konzentriert sich auf den Atem und beobachtet das Umfeld. Ich gehe zwar nicht immer bewusst, aber ich habe gelernt, meinen Gedanken Raum zu geben und sie mit jedem Schritt wieder verschwinden zu lassen. Neugierig beobachte ich auch meine Umgebung und nehme ihre Veränderungen wahr.

Erst vor ein paar Tagen bemerkte ich, dass auf den Feldern, wo ich oft spaziere, ein besonders aktiver Maulwurf unterwegs ist. Und heute Morgen blieb ich im Regen stehen, um zu beobachten, wie sich in den Pfützen Blasen bildeten.

Wenn ich von einem achtsamen Spaziergang zurückkomme, bin ich immer gut gelaunt und innerlich ausgeglichener. Ich habe gelernt, dass einfaches Beobachten eine sehr gute Unterhaltung für mein inneres Wohlbefinden ist.

MACH EIN „ACT OF SERVICE“

Wenn ein Tag einfach nicht so läuft, wie er sollte, hilft es oft, das was auf Englisch mit „Act of Service“ beschrieben wird zu machen.

Ein Mahlzeit für die Familie kochen, eine Waschmaschine anschalten, putzen oder einfach etwas tun, das einer anderen Person guttut – all das sind „Acts of Service“, die uns wieder ins Gleichgewicht mit unserer Welt bringen können.

Sich für die eigene Familie oder Gesellschaft zu engagieren, ist sehr wichtig, um unserem Leben jenen besonderen Sinn zu geben, der uns das Gefühl der Verbundenheit mit anderen schenkt. Es lässt uns nützlich fühlen. Es tut uns gut und es tut auch denen gut, die um uns herum sind.

Wenn du dich etwas niedergeschlagen fühlst, empfehle ich dir, deine Zeit in eine sinnvolle Tätigkeit zu investieren. Das unangenehme Gefühl wird langsam verschwinden, während du dich auf die gewählte Aufgabe konzentrierst. Probier es aus!

Investiere in deine Familie und deine Freunde

Eines der Geheimnisse des Glücks, so der Experte Arthur C. Brooks, besteht darin, eine gute Beziehung zu seiner Familie und seinen Freunden zu pflegen.

Ich glaube, dass diese Aussage sehr wahr ist. Erst wenn wir von guten Menschen umgeben sind, können wir uns frei entfalten.

Für mich haben Familie und Freunde eine große Bedeutung. Da ich weit entfernt von meinen Liebsten lebe, habe ich gelernt, die Technologie zu nutzen, um meiner Familie und meinen Freunden trotzdem nah zu sein. Manchmal denke ich daran, was die Menschen, die in den 1960er- und 1970er-Jahren ins Ausland ausgewandert sind, alles verpasst haben und bei wie vielen wichtigen Momenten nicht dabei sein konnten. Deshalb bin ich sehr dankbar, in dieser modernen Zeit zu leben, in der wir Smartphone haben. So spielt die Distanz keine Rolle.

Ich schätze Menschen, die sich aktiv darum bemühen, den Kontakt aufrecht zu halten und Interesse zeigen. Doch ich habe gelernt, dass nicht alle so sind. Deshalb habe ich keine Scheu, selbst als Erste zum Telefon zu greifen. Denn ich bin der Meinung, dass nicht das Geben oder Nehmen meine Handlungen bestimmt, sondern ein aufrichtiges Interesse für den anderen.

Familie und Freunde begleiten dich auf deinem Lebensweg, und es ist wichtig, sie niemals als selbstverständlich zu betrachten. Ich lade dich daher ein, deine Beziehungen aktiv zu pflegen. Denn nur so kannst du ein hohes Maß an Zufriedenheit erreichen, das sich wie Glück anfühlt.

Das Leben ist ein Weg, den man lieber teilt.

Das Leben ist ein Wunder

Heute war ich in einem Park in der Nähe von einem Seniorenheim spazieren. Mir kam eine ältere Frau entgegen und ich musste direkt über Folgendes nachdenken.

Die Frau war auf einem elektrischen Rollstuhl und bekam Sauerstoff mit Schläuchen in die Nase. Sie strahlte mich an und sagte mir ein sehr freundliches „Hallo“.

Die Sonne schien und die Temperatur war sehr angenehm. Wir hatten beide keine Jacke an, sie trug sogar ein Hütchen, das machte sie noch sympathischer. Vielleicht war sie wegen des schönen Wetters so gut drauf oder sie ist immer gut drauf als Charakter.

Ich dachte, wie oft in der letzten Zeit, darüber nach, wie das Leben eigentlich ein Wunder ist. Die Frau könnte sich in ihrer Situation miserabel fühlen, stattdessen strahlt sie Fremde an.

Ich bin an einem Punkt im Leben gekommen, in dem ich sowas merke und bewundere.

Ich bewundere die Kraft der Menschen, die jeden Tag das Bett verlassen, um die Welt zu einem schöneren Ort zu machen. Jemandem ein gutes Wort oder ein Lächeln schenken: Es kann so einfach sein.

Egal was wir durchmachen, das Leben ist ein Wunder und wir alle sind wundervoll. Das dürfen wir nicht vergessen.

Blühe wie die Blumen im Frühjahr.

Ein Verein mit Sinn

Heute Abend war ich bei der Mitgliederversammlung von Wildwasser Stuttgart e.V., eine Beratungsstelle für Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben und ihre Angehörige. Ich bin seit 2019 im Förderverein Mitglied.

Ich kenne diesen Verein schon seit meiner Anfangszeit in Deutschland, da Ursel, meine ehemalige Mitbewohnerin, in Karlsruhe im Vorstand war.

Als Aufwärmübung dürften wir heute Abend unter verschiedenen Karten, eine aussuchen und begründen, warum wir sie ausgewählt haben.

Ich habe das Bild eines Kindes im Dunkel ausgesucht, das einen leuchtenden roten Luftballon in der Hand hält. Für mich war die Begründung eindeutig. Ich habe über den heutigen Abend in diesem Ort nachgedacht, wo viele Frauen kommen, die im Dunkel sich befinden. Ich hoffe, dass sie bei Wildwasser einen sicheren Ort finden, wo sie wieder das Licht in ihrem Leben rein lassen können und wieder hoffnungsvoll und fasziniert darauf schauen können, so wie ein Kind einen Luftballon beobachtet.

Vereine wie Wildwasser sind wichtig und gehören unterstützt. Auf ihre Homepage findet ihr mehr Details: https://www.wildwasser-stuttgart.de

Eine Frau, die sexuelle Gewalt erlebt hat, muss unterstützt werden.

Es sind die kleinen Gesten

Es sind die kleinen Gesten, die den Unterschied machen. Heute Morgen stand dieser kleine Hase, versteckt hinter meinem Stiftehalter. Mein Chef hat uns allen einen geschenkt. Das ist wertschätzend und jedes Mal überraschend.

Seitdem ich bei Endress+Hauser arbeite, spüre ich, dass ich als Mensch für meinen Arbeitgeber zähle. Das ist unglaublich wichtig in der heutigen Arbeitswelt und ich fühle die damit verbundene Anerkennung.

Ich bin dankbar Teil dieser Gruppe zu sein.

Frohe Ostern!

Stell dich deinen Ängsten

Als ich studierte, war ich in meiner Freizeit Trainerin einer U12 Volleyball-Mannschaft. Für viele Kinder war es damals die erste Möglichkeit richtig im Kontakt mit dem Ball zu kommen und viele hatten davor Angst. Sie hatten Angst, sich zu verletzen, weil sie den Ball nicht kontrollieren konnten. Oft sagten sie mir: “Ich kann das nicht” und ich antwortete ihnen, dass mit Übung sie alles erreichen könnten.

Ängste können uns einen Streich spielen und uns lähmen. Deswegen ist es wichtig, sie auszusprechen. Wenn wir laut sagen, dass etwas uns Angst macht, verliert diese bestimmte Sache an Gewicht. Wir teilen unsere Gedanken mit jemandem und ihre Last wird dadurch kleiner, weil wir von der vertrauten Person Unterstützung und motivierende Worte bekommen.

Viel wichtiger ist es jedoch, dass wir uns ständig mit unseren Ängsten konfrontieren. So verlassen wir unsere Komfort-Zone und stellen uns der Angst. Wenn wir das nicht tun, laufen wir die Gefahr, dass die Angst die Kontrolle übernimmt und immer größer in unserem Kopf wird. Das Gute dabei ist, wenn wir uns mit unserer Angst konfrontieren, dass unser Selbstvertrauen wächst. Jedes Mal, das wir das schaffen, hat es einen positiven Effekt auf das Bild, welches wir von uns haben.

Ich habe Angst vom Autofahren aber ich stelle mich dieser Angst. Ich denke an meine Volleyball-Kinder und sage mir, dass je mehr ich übe, desto sicherer ich werde. Manchmal brauche ich aber auch einen “Arschtritt”.

Ich beim Autokauf: Der erste Schritt meine Angst zu überwinden.