Über junge und alte Promoterinnen

Von 2005 bis 2008 habe ich neben meinem Studium als Promoterin in Supermärkten gearbeitet, um meine Eltern nicht zusätzlich zu belasten, die mir bereits mein Studium finanzierten. Es war ein Wochenendjob, der sich gut mit meinem Vorlesungsplan vereinbaren ließ. Meine Schwester, die in einer Werbeagentur arbeitete und Marketingaktionen für Unternehmen koordinierte, hatte mir den Job vorgeschlagen.

Ich habe die Arbeit mit Würde und Freude erledigt, denn schon damals war ich überzeugt: Jede Tätigkeit, die man mit Leidenschaft ausübt, ist ein Grund zum Stolz. Am häufigsten war ich im Esselunga-Supermarkt in der Via Lorenteggio in Mailand im Einsatz – ich glaube, der gibt es heute noch.

Gestern Morgen war ich im E-Center in Weil der Stadt einkaufen, und eine ältere Dame bewarb dort Marmeladen. Sie hatte einen Stand mit Brotscheiben, auf denen verschiedene Marmeladensorten zum Probieren bereitlagen. Sie fragte mich, ob ich eine kosten wollte, und ich nahm ihr Angebot gerne an.

Diese Begegnung hat mich nicht nur an meine eigene Zeit als Promoterin erinnert, sondern auch zum Nachdenken angeregt – über einen Punkt, der oft übersehen wird, wenn über die wirtschaftliche Stärke Deutschlands gesprochen wird. Die Grundrente hier ist nämlich bei Weitem nicht mit der italienischen vergleichbar, sondern deutlich niedriger. Viele Senioren, die vielleicht ihr Leben lang keine hochqualifizierten Jobs hatten, müssen jeden Cent umdrehen. Oft sind sie gezwungen, trotz Rente weiterzuarbeiten. Doch das hat auch einen Vorteil: Durch die längere Berufstätigkeit bleiben ältere Menschen körperlich und geistig aktiv.

Daher gilt dieser Dame im Supermarkt mein ganzer Respekt und meine Sympathie.

Der Supermarkt in Weil der Stadt