Ich lebe in meinem Kopf

Ich mag tiefergehende Gespräche – solche, in denen man über das eigene Leben philosophiert, über Entscheidungen, Motivationen und Gedanken. Das sind die Gespräche, in denen ich am meisten über die Person vor mir erfahre. Ich erzähle etwas über mich, öffne mich dabei und beobachte die Reaktion meines Gegenübers. An ihrer Reaktion lerne ich nicht nur etwas über diese Person, sondern auch über mich selbst.

Ich lebe viel in meinem Kopf, und manchmal ist es schön, die Türen zu öffnen und jemanden einzuladen, dem ich meine privatesten Gedanken anvertraue. Wenn ich das tue, dann weil ich meinem Gegenüber vertraue. Bestimmte Themen auszusprechen hilft mir, sie besser einzuordnen, indem ich Abstand gewinne.

Jeder Gedanke sollte nur vorübergend sein – und wenn er stattdessen lange in unserem Kopf bleibt, ist es nie falsch, darüber zu sprechen. Die eigenen Erfahrungen zu teilen bereichert die Freundschaft und bietet eine weitere Perspektive, von der aus man sie betrachten kann.

SPRICH DARÜBER MIT JEMANDEM

Ich höre gerade Elizabeth Gilberts neues Buch „All the way to the river“ und bin wirklich gefesselt. Die Geschichte ist herzzerreißend, echt und voller Leben. Die Autorin öffnet sich ihren Leser:innen gegenüber mit Mut und Authentizität. Sie behandelt das Thema Abhängigkeit – sei es in der Liebe oder von Suchtmitteln – direkt und ohne Vorurteile. Noch nie habe ich jemanden so offen darüber sprechen hören.

Ich teile Elizabeth Gilberts Überzeugung: Wenn dich etwas so sehr belastet, dass du deine innere Ruhe verlierst, ist das Beste, was du tun kannst, darüber zu sprechen. Sich mit einem Freund oder einer Freundin zu öffnen, kann dich retten. Deine Gedanken und Sorgen laut auszusprechen und sie mit einer vertrauten Person zu teilen, wird dir helfen, die Last zu erleichtern.

Behalte nicht alles für dich – sonst grübelst du nur. Erzähle von dem, was dich beschäftigt. Vielleicht findest du bei deinem Zuhörer nicht die Lösung, aber bestimmt jemanden, auf den du dich verlassen kannst, um gemeinsam den Weg bis zur nächsten Etappe zu gehen.

Wir sind alle Blumen desselben Gartens.

Talk it out

Eine wirksame Methode, wenn der Kopf von Gedanken überflutet ist, ist es, jemandem darüber zu erzählen. Das hilft, um die Gedanken zu sortieren.

Diese Praxis heißt auf Englisch „Talk it out“ und ermutigt dazu, sich seine Sorgen von der Seele zu reden, indem man sich mit jemandem austauscht. Allein der Akt, sich einer vertrauten Person zu öffnen und von dem zu erzählen, was einen beschäftigt, kann helfen, die Last zu teilen.

Wenn du Schwierigkeiten hast, deine Gefühle zu verarbeiten, versuche, sie mit einer dir nahestehenden Person zu teilen. Du wirst sehen: Indem du sie aussprichst, verlieren sie an Gewicht, und der Austausch mit dieser Person kann dich weiterbringen. Eine geteilte emotionale Last ist leichter.

Gefühle müssen nicht zwangsläufig ihrem Lauf in unserem Kopf folgen. Man kann sie wie den Lauf eines Flusses lenken. Wenn du sie teilst, werden sie leichter.