Über Landtagswahlen und Briefwahl
In Baden-Württemberg stehen die Landtagswahlen an: Morgen wird ein neues Landesparlament und ein neuer Ministerpräsident gewählt. Ich selbst darf nicht wählen, da ich keine deutsche Staatsbürgerin bin. Mein Favorit ist jedoch ein Politiker, Sohn türkischer Migranten, der unter der Regierung von Olaf Scholz auch Bundesminister für Landwirtschaft war und einen schwäbischen Dialekt spricht, den ich wahrscheinlich nie in meinem Leben beherrschen werde. Sein Name ist Cem Özdemir, und er gehört der Partei Bündnis 90/Die Grünen an.
Bei den Bundestagswahlen 2018 hörte ich ihn live in der Stadtbibliothek Stuttgart-West. Was mich besonders beeindruckte, war seine herausragende Rhetorik. Als jemand, der Dolmetschen und Kommunikation studiert hat, achte ich immer auf die kommunikativen Fähigkeiten von Rednern. Cem Özdemir kann überzeugend sprechen, und ich glaube, er hat in seiner politischen Karriere einen Punkt erreicht, an dem er bereit ist, ein Land wie Baden-Württemberg zu führen – eine Region, die dringend wirtschaftlichen Wandel braucht. Doch heute möchte ich nicht über Cem Özdemir schreiben.
Was mich fasziniert, ist die Art und Weise, wie die Deutschen an der Demokratie teilhaben. Hier ist die Briefwahl einfach zu beantragen und jedem Wahlberechtigten ohne Angabe von Gründen garantiert. In Italien ist das nicht möglich. Nur im Ausland lebende Italiener wie ich haben automatisch das Recht zur Briefwahl.
Man kann sich also nicht wundern, dass die Wahlbeteiligung in Italien so niedrig ist. In Deutschland ist die Briefwahl eine erfolgreiche Strategie, um die Wahlbeteiligung relativ hoch zu halten.
Wenn es eine Sache gibt, die Italien meiner Meinung nach von Deutschland übernehmen könnte, dann ist es die Möglichkeit der Briefwahl für alle Wahlberechtigten. Davon würde vor allem die italienische Demokratie profitieren – und wer weiß, vielleicht sähe das Wahlergebnis dann anders aus.

