Ein Verein mit Sinn

Heute Abend war ich bei der Mitgliederversammlung von Wildwasser Stuttgart e.V., eine Beratungsstelle für Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben und ihre Angehörige. Ich bin seit 2019 im Förderverein Mitglied.

Ich kenne diesen Verein schon seit meiner Anfangszeit in Deutschland, da Ursel, meine ehemalige Mitbewohnerin, in Karlsruhe im Vorstand war.

Als Aufwärmübung dürften wir heute Abend unter verschiedenen Karten, eine aussuchen und begründen, warum wir sie ausgewählt haben.

Ich habe das Bild eines Kindes im Dunkel ausgesucht, das einen leuchtenden roten Luftballon in der Hand hält. Für mich war die Begründung eindeutig. Ich habe über den heutigen Abend in diesem Ort nachgedacht, wo viele Frauen kommen, die im Dunkel sich befinden. Ich hoffe, dass sie bei Wildwasser einen sicheren Ort finden, wo sie wieder das Licht in ihrem Leben rein lassen können und wieder hoffnungsvoll und fasziniert darauf schauen können, so wie ein Kind einen Luftballon beobachtet.

Vereine wie Wildwasser sind wichtig und gehören unterstützt. Auf ihre Homepage findet ihr mehr Details: https://www.wildwasser-stuttgart.de

Eine Frau, die sexuelle Gewalt erlebt hat, muss unterstützt werden.

Modigliani in Stuttgart

Am Freitagnachmittag habe ich früh die Arbeitswoche hinter mir gelassen, um die Ausstellung von Modigliani in der Staatsgalerie in Stuttgart zu besuchen. Das hatte ich meiner guten Freundin Julia zum 30. Geburtstag geschenkt. Da sie großes Interesse an der italienischen Kultur hat, hat sie sich über das Geschenk sehr gefreut.

Die Ausstellung ist in der Tat sehr interessant: Es werden alle Phasen des Künstlerlebens erklärt sowie der Einfluss von Modigliani in der Pariser-Szene der 1920er Jahren dargestellt.

Die Ausstellung wurde jetzt bis zum 1. April verlängert und ist empfehlenswert.

Ein bisschen italienische Kunst in Stuttgart

Die Erde ist schon schmutzig, egal!

Ich bin die Woche in Weil der Stadt spazieren gewesen und, auf dem Weg nach Hause, drei Kinder begegnet. Ein Junge und zwei Mädchen. Sie haben sich unterhalten, ein Mädchen hatte eine Chipstüte in der Hand und hat davon gegessen. Als das andere Mädchen auch Chips haben wollte, hat das erste ihr eine große Handvoll Chips gegeben und dabei sind welche auf den Boden gefallen.
Der Junge hat die Szene wie ich beobachtet und sagte laut: “Umweltverschmutzung! Die Erde ist schon schmutzig, egal!”.
Ich muss gestehen, mir fehlte es an Zivilcourage: Ich habe mich nicht eingemischt und ihnen etwas gesagt. Das bereue ich ein bisschen, weil mein neues Motto “Lead by example” ist. Ich hätte ihnen gesagt, dass es auf jeden einzelnen ankommt, wie wir die Erde behandeln.
Wenn wir Tempos oder Kaugummi auf den Boden fallen lassen, ist das nicht richtig. Es ist aber die Aufgabe von uns Erwachsenen, das Kindern beizubringen. Ich finde es traurig, dass Kinder so über die Erde denken. Ich finde es genauso traurig, dass ich nicht den Mut hatte, mich umzudrehen und den Mund aufzumachen.
Es ist nicht egal, ob die Erde schon schmutzig ist. Es ist unsere Aufgabe uns um sie zu kümmern, denn sie ist die Umgebung, wo wir uns nur als Gäste aufhalten dürfen.

Die Erde lebt und atmet, genauso wie wir.

Resilient durchs Leben

Autobiographie in 5 Kapiteln 

1. Kapitel: Ich gehe die Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich falle hinein. Ich bin verloren… Ich bin ohne Hoffnung. Es ist nicht meine Schuld. Es dauert endlos, wieder herauszukommen. 

2. Kapitel: Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich tue so, als sähe ich es nicht. Ich falle wieder hinein. Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. Aber es ist nicht meine Schuld. Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen. 

3. Kapitel: Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich sehe es. Ich falle immer noch hinein… aus Gewohnheit. Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin. Ich weiß, dass ich das selbst zu verantworten habe. Ich komme sofort heraus. 

4. Kapitel: Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich gehe darum herum. 

5. Kapitel: Ich gehe eine andere Straße.  

Portia Nelson 

Dieses Gedicht habe ich bei einem 2-tägigen Resilienz-Seminar gehört. Es hat mich sofort angesprochen und berührt. Ich habe direkt reflektiert über wie oft wir im Leben in das gleiche Loch fallen und wie lange es dauert, bis wir es lernen, Verantwortung für unser eigenes Leben und unsere Entscheidungen zu übernehmen. Wir finden immer den Weg aus dem Loch, mal langsamer und mal schneller. Die Kunst besteht darin, bei sich zu bleiben, Gefühle rein zu lassen und zu spüren. Irgendwann sind wir in der Lage in einer bestimmten Situation anders zu reagieren und diese Fähigkeit ist unbezahlbar. 

Ich sage danke an Endress+Hauser für die Möglichkeit an so einer Schulung teilnehmen zu dürfen und an Tina Baumgarten, die Trainerin, für die Denkanstöße.

Pupsiträger

Gestern war ich nach zwei Tagen Kommunikationsschulung in meinen Gedanken vertieft. Als ich in die S-Bahn eingestiegen bin und Platz nahm, hörte ich eine alte Dame vorlesen. Neben ihr saß ihre Enkelin, ein 4-jähriges Mädchen. Sie wechselten den Platz und kamen dann neben mir und die Oma fuhr mit der Geschichte weiter. Das Kind war fasziniert und hörte ihr genau zu. Sie machten zwischendurch eine Pause aber das Kind bat immer die Geschichte weiterzulesen. Die Oma gab ihr dann die Hand und las fleißig weiter.
Das Mädchen war überraschend ruhig und interessiert, das wunderte mich. Den beiden zuzuhören und zu beobachten, entschleunigte meine Gedanken sofort.
Während einer Pause sprachen sie über die Bequemlichkeit von Hosenträgern und plötzlich sagte das Mädchen: „Hosenträger, Pupsiträger!“.
Ich musste so schmunzeln. Die Oma lachte auch und wiederholte das.
Mich wunderte, dass so ein gut erzogenes Kind sowas brachte aber dann war mir klar, dass in dem alter sich viel um Kaka dreht und dass die kleine Kinder das lustig finden.
Kinder sind so herzlich, sie überraschen einen immer mit ihrer Spontanität, sie filtern nicht und können so herzlich lachen, wenn sie etwas amüsant finden. Ihre Energie ist ansteckend, weil sie sie ohne Grenzen ausstrahlen und das ist wundervoll.

Im Zug passieren Dingen

Ziehe deine Uhr aus

Diese Woche habe ich es zwei Male bewusst gemacht. Wir waren am Mittwoch mit einem Freund verabredet, der auf Dominica lebt, und am Donnerstag in Stuttgart bei einem Konzert. 

Ich kam nach Hause, habe mich kurz umgezogen, um dann loszugehen, und ich habe mich entschieden, meine Uhr nicht zu tragen. Meine Intention war, mich in der Zeit zu verlieren und den Moment zu genießen. Das hat richtig gut funktioniert.

Ich hatte keine Ahnung, wie spät es war und habe mich auch nicht von der Uhrzeit beeinflussen lassen. Ich habe mich auf die Gespräche und die Musik konzentriert und auf meinen Körper geachtet. Ich habe einfach gefühlt, wann ich müde war, und habe mich dann verabschiedet.

Die Zeit ist ja eine Erfindung der Menschheit und sie kann uns manchmal unsere Aufmerksamkeit stehlen. Deswegen finde ich es wichtig, sich manchmal davon zu trennen und das Leben im hier und jetzt zu genießen.

In der Vergangenheit habe ich keine Uhr getragen. Ich bin beidhändig und wusste nicht genau an welchem Handgelenk ich sie tragen sollte, weil sie, gefühlt, mich immer gestört hat. Ein russisches Mädchen sagte mir damals, dass Leute, die keine Uhr tragen, glückliche Menschen sind. Ich glaube wirklich, dass da was dran ist.

Der Moment ist Freiheit – Calm Daily Trip

Tue das für dich

Im Frühjahr 2011 träumte ich, nach Deutschland zu ziehen. Ich erzählte davon einem unbekannten Polizisten, den ich auf einer Webseite zum Sprachtandem kennengelernt hatte. Ich übte mit ihm Italienisch und er mit mir Deutsch. Ich hatte aber zu dem Zeitpunkt viele Themen offen: Meinem Papa wurde 2010 Prostatakrebs festgestellt und im Januar 2011 ist mein Neffe Paolo auf die Welt gekommen, der mir so viel Freude schenkte. Ich war mir über den Zeitpunkt unsicher und hatte etwas Respekt davor, in einem anderen Land von Null anzufangen. Deswegen träumte ich nur davon.

Es ist aber erstaunlich, wie sehr ein Satz von diesem unbekannten Mann mich traf: “Wenn du den Wunsch hast, nach Deutschland zu ziehen, solltest du diesen Schritt wagen. Mach das für dich und für niemanden sonst. Du schuldest es dir”. Das brach mich wirklich zum Nachdenken und er hatte Recht.

Heute, wenn ich meine Geschichte jemandem erzähle, den ich nicht so gut kenne, sage ich: “Ich wollte nicht 40 werden und mich fragen, wie wäre es gewesen, wenn ich nach Deutschland gezogen wäre” – und das stimmt wirklich.

Ich begann im Sommer 2011 ‘just for fun’ mich in Deutschland zu bewerben und erhielt in Februar 2012 einen 1-jährigen Vertrag beim Webhosting-Anbieter 1&1 in Karlsruhe. Das änderte mein Leben.

Es war nicht einfach und manchmal habe ich an meiner Entscheidung gezweifelt aber das ist Teil des Spiels und das ist mein Spiel.

Ich bin stolz auf mich, weil ich diesen Schritt gewagt habe, weil ich durchgehalten habe und zu meiner Entscheidung gestanden bin. Ich habe zum ersten Mal den Mut gezeigt meinem Traum nachzugehen und heute, 11 Jahre später, kann ich behaupten, ich hätte nicht besser entscheiden können.

Sich etwas zu gönnen, den Instinkt zu folgen, das lohnt sich immer. Wir haben nur ein Leben, keine Zeit es zu verschwenden und nicht daran zu glauben, dass wir unser Leben in die Richtung lenken können, die uns am Besten gefällt. Es zu probieren, immer: Das ist unsere Aufgabe und die Kunst des Lebens.

Mein Zug nach Karlsruhe zum Vorstellungsgespräch

Treffe dich

Nach einer Woche harte aber schöne Arbeit, habe ich mir das gegönnt.

Mit vielen Leuten aber in aller ersten Linie mit dir selbst… oder mit dir selber, da sind die Deutschen sich auch nicht immer einig 😅.

Danach wirst du in der Lage sein, dir auch etwas zu gönnen. Ansonsten würdest du im Leben nie darauf kommen. Denke aber denke vor allem an dich. Sorge für dich, immer.

Das Leben ist eine Reise: Deine.

Und dann…

Und dann kommt die Zeit, in der du zurückblickst, und glücklich und stolz auf dich selbst bist.
Du hast es hierher geschafft, egal wie viele Male du hingefallen bist. Du bist immer aufgestanden: manchmal ging es schneller und manchmal hast du etwas mehr Zeit gebraucht.
Du hast es mit deinen Kräften geschafft und du hast dir Hilfe geholt, wenn du nicht weiter wusstest.
Dein Willen ist stark. Du hast immer daran geglaubt, dass du genau das verdient hast, was du jetzt erreicht hast. Du hast einfach nie aufgehört, es zu probieren.
Jetzt, wenn du dich im Spiegel anschaust, kannst du dich ruhig anlächeln. Du bist deine beste Freundin geworden und Freunde sind lieb zu einander. Warum solltest du also nicht lieb zu dir selbst sein?!
Gönne dir Pausen, lese, gehe spazieren, mache Sport, reise, sei mal offline und verbringe Zeit mit dir selbst. Denn die Zeit, die du für dich selbst einräumst, ist sehr wertvoll.

Du hast alles was du brauchst, um glücklich zu sein. Verliere also keine Energie mit Vorwürfen und Schuldgefühlen, folge deinem Bauch: Er weiß den Weg! Selbst, wenn der nur zur Schokolade führt.
Du bist genau richtig: Traue dich, lebe dein Leben!

Ein Baum in der Sonne
Lebe dein Leben wie dieser Baum: Glücklich für ein Paar Sonnenstrahlen

Eine Brezel… danke!

Eine Brezel

Heute Morgen in der Schlange beim Bäcker war vor mir ein Papa mit einem Baby im Maxi-Cosi und einem vierjährigen Jungen. Schon beim Anstehen war ich erstaunt wie ruhig der Junge war: Er bewegte sich immer brav nach vorne, sobald sein Papa es auch tat. Als sie dran waren, merkte ich, dass der Junge zum Tresen ging, auf die Fußspitzen stieg und ein Euro auf den Tresen legte. Er sagte ganz stolz und konzentriert: “Ich hätte gerne eine Brezel!”. Als die Bäckerin Richtung der Brezeln ging, sagte sein Papa: “Und dann? Was musst du noch sagen?”. Der Junge überlegte keine Sekunde und fügte: “Danke!” hinzu. Nachdem die Bäckerin seinen Papa noch bedient hatte, sagte sie dem Jungen zum Verabschieden: “Das hast du richtig toll gemacht!”. Er ging aus der Bäckerei raus 2 cm größer.

Solche Szenen beobachte ich gerne und ich bin immer erstaunt, wenn Kinder unabhängig agieren. Man sieht ihnen die Konzentration und die Freude an, wenn sie das erreichen, was sie vor hatten.