Lass deine Gedanken und deinen Blick kreisen beim Gehen

Vor kurzem gab es eine Phase, in der ich beim Spazierengehen ständig etwas hören musste: ein Hörbuch, einen Podcast oder Musik. Ich brauchte immer Unterhaltung. Doch meine AirPods begannen, den Geist aufzugeben, und entluden sich mitten während meiner Spaziergänge. So war ich gezwungen, mich meinen Gedanken zu stellen und meine Umgebung bewusst wahrzunehmen. Ich fand das sehr spannend – es wurde sogar unterhaltsamer als alles, was ich zuvor gehört hatte.

In der Meditation spricht man vom Mindful Walking, vom achtsamen Gehen. Man konzentriert sich auf den Atem und beobachtet das Umfeld. Ich gehe zwar nicht immer bewusst, aber ich habe gelernt, meinen Gedanken Raum zu geben und sie mit jedem Schritt wieder verschwinden zu lassen. Neugierig beobachte ich auch meine Umgebung und nehme ihre Veränderungen wahr.

Erst vor ein paar Tagen bemerkte ich, dass auf den Feldern, wo ich oft spaziere, ein besonders aktiver Maulwurf unterwegs ist. Und heute Morgen blieb ich im Regen stehen, um zu beobachten, wie sich in den Pfützen Blasen bildeten.

Wenn ich von einem achtsamen Spaziergang zurückkomme, bin ich immer gut gelaunt und innerlich ausgeglichener. Ich habe gelernt, dass einfaches Beobachten eine sehr gute Unterhaltung für mein inneres Wohlbefinden ist.

MACH EIN „ACT OF SERVICE“

Wenn ein Tag einfach nicht so läuft, wie er sollte, hilft es oft, das was auf Englisch mit „Act of Service“ beschrieben wird zu machen.

Ein Mahlzeit für die Familie kochen, eine Waschmaschine anschalten, putzen oder einfach etwas tun, das einer anderen Person guttut – all das sind „Acts of Service“, die uns wieder ins Gleichgewicht mit unserer Welt bringen können.

Sich für die eigene Familie oder Gesellschaft zu engagieren, ist sehr wichtig, um unserem Leben jenen besonderen Sinn zu geben, der uns das Gefühl der Verbundenheit mit anderen schenkt. Es lässt uns nützlich fühlen. Es tut uns gut und es tut auch denen gut, die um uns herum sind.

Wenn du dich etwas niedergeschlagen fühlst, empfehle ich dir, deine Zeit in eine sinnvolle Tätigkeit zu investieren. Das unangenehme Gefühl wird langsam verschwinden, während du dich auf die gewählte Aufgabe konzentrierst. Probier es aus!

Investiere in deine Familie und deine Freunde

Eines der Geheimnisse des Glücks, so der Experte Arthur C. Brooks, besteht darin, eine gute Beziehung zu seiner Familie und seinen Freunden zu pflegen.

Ich glaube, dass diese Aussage sehr wahr ist. Erst wenn wir von guten Menschen umgeben sind, können wir uns frei entfalten.

Für mich haben Familie und Freunde eine große Bedeutung. Da ich weit entfernt von meinen Liebsten lebe, habe ich gelernt, die Technologie zu nutzen, um meiner Familie und meinen Freunden trotzdem nah zu sein. Manchmal denke ich daran, was die Menschen, die in den 1960er- und 1970er-Jahren ins Ausland ausgewandert sind, alles verpasst haben und bei wie vielen wichtigen Momenten nicht dabei sein konnten. Deshalb bin ich sehr dankbar, in dieser modernen Zeit zu leben, in der wir Smartphone haben. So spielt die Distanz keine Rolle.

Ich schätze Menschen, die sich aktiv darum bemühen, den Kontakt aufrecht zu halten und Interesse zeigen. Doch ich habe gelernt, dass nicht alle so sind. Deshalb habe ich keine Scheu, selbst als Erste zum Telefon zu greifen. Denn ich bin der Meinung, dass nicht das Geben oder Nehmen meine Handlungen bestimmt, sondern ein aufrichtiges Interesse für den anderen.

Familie und Freunde begleiten dich auf deinem Lebensweg, und es ist wichtig, sie niemals als selbstverständlich zu betrachten. Ich lade dich daher ein, deine Beziehungen aktiv zu pflegen. Denn nur so kannst du ein hohes Maß an Zufriedenheit erreichen, das sich wie Glück anfühlt.

Das Leben ist ein Weg, den man lieber teilt.

Manuela

Manuela ist 2024 Mitte Juli in mein Leben getreten. Wir hatten einen Telefontermin um 8:30 Uhr an einem Werktag. Als ich sie anrief, brach sie das Eis mit den Worten: „Frau Fradegradi, Sie sind pünktlich wie ein Maurer!“ Ich musste lachen und schloss sie sofort in mein Herz. Einige Wochen später trafen wir uns persönlich, und sie schlug vor, uns zu duzen.

Manuela ist eine freiberufliche Hebamme. Während meiner Schwangerschaft besuchte ich ihren Schwangerschaftsyoga-Kurs, und als unsere Tochter geboren wurde, unterstützte sie uns zu Hause ab dem Tag nach unserer Entlassung aus dem Krankenhaus. In der ersten Woche kam sie täglich, sogar an einem Sonntag, dann alle zweite Tage. Mit der Zeit wurden die Besuche weniger häufig.

Manuela ist für mich wie ein Engel gewesen. Ich wohne weit weg von meiner Familie und konnte nicht auf ihre Unterstützung  in schwierigen Phasen zählen. Manuelas ruhige und sanfte Art im Umgang mit uns und dem Baby war Balsam für die Seele. Ihr professioneller Rat war eine große Erleichterung.

Eines Tages vertraute mir Manuela an, warum sie diesen Beruf ausübt: „Es begeistert mich, Eltern in ihrer Rolle wachsen und immer sicherer werden zu sehen.“

Ich habe beschlossen, nicht viel über meine Schwangerschaft oder das Muttersein zu schreiben, aber dieser Beitrag ist für mich wichtig. Man kann viel über das deutsche Gesundheitssystem sagen, aber dass jede schwangere Frau die Unterstützung einer professionellen Hebamme gewährt bekommt, ist wirklich außergewöhnlich. Wenn man zum ersten Mal Eltern wird, hat man Zweifel und Fragen, die nur Fachpersonal richtig beantworten kann. Ich glaube, das sollte ein Recht für alle neuen Familien sein.

Current Status

„Trotzdem gibt es noch immer Momente, in denen ich mir schwertue, meine Gefühle zu ordnen und richtig einzuschätzen. Manchmal habe ich Angst, dass dieses neue Leben bloß ein Traum ist, dass ich eines Tages aufwache und alles wieder so ist wie zuvor. Aber ich kenne mich nun selbst viel besser und weiß, worauf es ankommt. Ich weiß, dass Glück Arbeit erfordert, Arbeit an mir selbst. Und solange ich dazu bereit bin, glaube ich daran, dass alles gut wird.

RAPHAEL BONELLI, Bauch Gefühle

An sich selbst zu arbeiten, ist die Kunst des Lebens

Das Leben ist ein Wunder

Heute war ich in einem Park in der Nähe von einem Seniorenheim spazieren. Mir kam eine ältere Frau entgegen und ich musste direkt über Folgendes nachdenken.

Die Frau war auf einem elektrischen Rollstuhl und bekam Sauerstoff mit Schläuchen in die Nase. Sie strahlte mich an und sagte mir ein sehr freundliches „Hallo“.

Die Sonne schien und die Temperatur war sehr angenehm. Wir hatten beide keine Jacke an, sie trug sogar ein Hütchen, das machte sie noch sympathischer. Vielleicht war sie wegen des schönen Wetters so gut drauf oder sie ist immer gut drauf als Charakter.

Ich dachte, wie oft in der letzten Zeit, darüber nach, wie das Leben eigentlich ein Wunder ist. Die Frau könnte sich in ihrer Situation miserabel fühlen, stattdessen strahlt sie Fremde an.

Ich bin an einem Punkt im Leben gekommen, in dem ich sowas merke und bewundere.

Ich bewundere die Kraft der Menschen, die jeden Tag das Bett verlassen, um die Welt zu einem schöneren Ort zu machen. Jemandem ein gutes Wort oder ein Lächeln schenken: Es kann so einfach sein.

Egal was wir durchmachen, das Leben ist ein Wunder und wir alle sind wundervoll. Das dürfen wir nicht vergessen.

Blühe wie die Blumen im Frühjahr.

Ich liebe mich selbst am meisten

Als ich diesen Satz zum ersten Mal hörte, war ich nicht bereit für seine Bedeutung. Ich war noch relativ jung und hatte meine Schwierigen mit Selbstliebe.

Lange dachte ich, dass Liebe nur etwas ist, das man anderen schenkt. Allerdings, wenn man sie so lebt, tendiert man sich in die anderen Personen zu verlieren. In dem wir wertschätzen, wer wir sind, können wir eine ausgeglichene eine Beziehung zu anderen aufbauen.

Mit der Zeit habe ich gelernt, wie wichtig es ist, sich zu priorisieren.

Wenn du entscheidest, dass du an die erste Stelle kommst, sorgst du für dein Gleichgewicht und setzt Grenzen, die nicht überschritten werden sollen, damit du gut funktionieren kannst. Nur so kannst du für andere gut da sein und deinen Beitrag in der Gesellschaft leisten. Nur wenn du dich liebst, kannst du andere aufrichtig lieben.

Im Leben nimmt man verschiedene Rollen wahr. Zu wissen wer wir sind und was gut für uns ist, unterstützt uns dabei, für uns gut zu sorgen und diese Rollen in der besten Art und Weise auszuüben. Nur so verbrennen wir uns nicht.

Du bist deine höchste Priorität, fang an danach zu leben, wenn du das noch nicht tust. Du brauchst das definitiv.

Liebst du dich?

Bericht einer Zugfahrt mit Sinn

Ich war am Freitag in der S-Bahn und hatte mir vorgenommen ein Buch zu lesen. Ich konnte mein Vorhaben während der ersten 15 Minuten der Fahrt verwirklichen, aber dann stiegen sie in den Zug ein. Drei Mädchen: Eine deutsche und zwei osteuropäische junge Frauen. Sie fingen direkt an, sich tief zu unterhalten, sodass ich beschloss, mein Buch wegzupacken.

Ich schaute aus dem Fenster und hörte unauffällig ihr Gespräch zu. Sie unterhielten sich über ihre Ausbildung als Optikerinnen und sprachen über die deutsche Sprache. Die zwei Ausländerinnen berichteten, wie sie die Jugendsprache witzig finden und wie sie mit dem schwäbischen Dialekt zu kämpfen hatten aber ihn trotzdem sehr schön fanden. Sie waren beide nicht lange in Deutschland aber bemühten sich sehr, die Sprache zu lernen.

Ein Mädchen war aus der Ukraine und seit zwei Jahren in Deutschland. Ich fand, sie sprach gut. Sie wollte bestimmt nicht unbedingt nach Deutschland ziehen aber jetzt, dass sie da ist, bemüht sich um eine Ausbildung in der sie aktiv mit Kunden sprechen muss.

Ich kann nicht sagen, dass sie mich an meine Anfänge in Deutschland erinnerten, weil ich nach Deutschland kam, als ich bereits gute Vorkenntnisse hatte, aber ich empfand für die beiden Mädchen große Sympathie.

Ich finde für viele Deutsche ist es nicht so präsent, wie schwer Deutsch als Sprache ist. Genau das war für mich immer der Grund, warum ich Deutsch lernte: Die Sprache ist schwierig und man muss sich sehr bemühen, um sie gut zu beherrschen.

Oft betrachten wir als selbstverständlich, dass jemand eine Sprache spricht, in der wir uns unterhalten können und sehen aber nicht, wie viel Mühe die Person hatte, um sie zu lernen. Sprachen sind für mich nicht nur meine Leidenschaft, sondern auch mein Beruf geworden und ich denke, man sollte allgemein mehr Geduld üben, wenn man sich mit jemandem unterhält, der kein Muttersprachler ist.

Ich stieg aus dem Zug aus und habe mich irgendwie dankbar gefühlt, dass ich der Konversation folgen konnte und dachte nach, wie vielfältig die deutsche Gesellschaft ist. Ich bin jedenfalls sehr dankbar, mit diesen Mädchen ein Teil davon zu sein.

Eine Zugfahrt kann auch etwas Besonderes werden

Der erste Schritt

Es ist immer schwierig, den ersten Schritt zu machen. Wenn wir uns in eine neue Richtung bewegen möchten, ist es immer schwierig zu starten.

Wir sollten uns dabei aber bewusst machen, dass wir immer zurück gehen können. Nichts ist für die Ewigkeit: Neue Wege können auch abgebrochen werden, wenn wir uns nicht sicher sind.

Wenn wir aber nur grübeln, bewegen wir uns nicht. Keine Bewegung bedeutet auch Stagnation und keine Entwicklung.

Wenn wir uns auf neue Wege bewegen, fühlen wir uns lebendig, weil wir dabei was lernen und uns weiterentwickeln.

Es lohnt sich immer also den ersten Schritt Richtung Veränderung zu machen. Wir haben nichts zu verlieren, nur zu lernen!

Neue Haare neues Glück 🍀

Du kennst mich ja!

Diese Woche saß ich beim Mittagessen mit Kollegen auf unserer Firmenterrasse. Plötzlich klingelt bei einer Kollegin das Handy und, ohne es zu wollen, sehe ich auf ihrem Display, dass “Papa” anrief. Sie stellte sich bei Seite und telefonierte dann mit ihrem Papa.

Ich hatte direkt die Erinnerung, dass mein Papa nicht so telefonaffin war und mich fast nie anrief. Es war immer süß, als ich mit ihm telefonierte und er mich immer als allererste über das Wetter fragte, als ich schon in Deutschland wohnte. Es war so, wie er wäre gar nicht gewöhnt zu telefonieren und griff dann zum Smalltalk und wartete darauf, dass ich ihm etwas von meinem neuen Leben in einem fremden Land erzählte. 

Als die Kollegin fast fertig mit dem Telefonat war, kam sie näher zu unserem Tisch und sagte dann zu ihrem Papa: “Ja Papa, du kennst mich ja!”. Da musste ich direkt daran denken, dass unsere Eltern uns sehr gut kennen, sogar mehr als wir es manchmal vermuten und musste kurz schmunzeln. Vielleicht sind sie nicht die besten in ihren Gedanken zu mitteilen, wie mein Papa, aber sie wissen viel von uns, auch das, was wir nicht immer erzählen.

Ich würde alles geben, um nochmal meinem Papa über die strahlende Sonne der letzten Tage zu erzählen, kann ich aber nicht mehr. Das macht mich aber nicht traurig, sondern dankbar, dass ich mit ihm solche Momente teilen durfte.

Mein Papa und ich am Meer in Urlaub